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Bereits die dritte Aus­zeich­nung für die > Fest­schrift »125 Jahre VDW« – nach einem Award des DDC (Deut­scher Desi­gner Club) und einem Diplom bei der Ber­li­ner Type 2016 wurde die Publi­ka­tion nun für den Ger­man Design Award 2018 nomi­niert. Der Ger­man Design Award zeich­net inno­va­tive Pro­dukte und Pro­jekte, ihre Her­stel­ler und Gestal­ter aus, die in der deut­schen und inter­na­tio­na­len Design­land­schaft weg­wei­send sind. Dies garan­tiert die hoch­ka­rä­tig besetzte, inter­na­tio­nale Jury. Ver­ge­ben wird der Ger­man Design Award vom Rat für Form­ge­bung, der deut­schen Mar­ken- und Desi­gn­in­stanz. Sein Auf­trag von höchs­ter Stelle: das deut­sche Design­ge­sche­hen zu reprä­sen­tie­ren. 1953 auf Initia­tive des Deut­schen Bun­des­ta­ges als Stif­tung gegrün­det, unter­stützt er die Wirt­schaft dabei, kon­se­quent Mar­ken­mehr­wert durch Design zu erzie­len. Das macht den Rat für Form­ge­bung zu einem der welt­weit füh­ren­den Kom­pe­tenz­zen­tren für Kom­mu­ni­ka­tion und Mar­ken­füh­rung im Bereich Design.

Die > Fest­schrift »125 Jahre VDW« für der Ver­ein Deut­scher Werk­zeug­ma­schi­nen­fa­bri­ken wurde beim Wett­be­werb »Gute Gestal­tung 2016« des DDC (Deut­scher Desi­gner Club) mit einem Award aus­ge­zeich­net. Und der Wett­be­werb Ber­li­ner Type 2016 zeich­nete die Publi­ka­tion mit einem Diplom aus.

Das hört man doch gerne: Der > Online-Geschäfts­be­richt 2015 von com­di­rect wurde bereits mit drei Awards aus­ge­zeich­net: Sil­ber beim Best of Con­tent-Mar­ke­ting 2016-Award in der Kate­go­rie »Reporting Digi­tal«, Gold in der Kate­go­rie »Inter­ac­tive« bei den ARC-Awards 2016 und Sil­ber in der Kate­go­rie »Annual Report« beim LACP-Award 2016.

Auch die­ses Jahr wur­den wie­der die bes­ten Geschäfts­be­richte deut­scher Fami­li­en­un­ter­neh­men durch den Pri­vate Public Award aus­ge­zeich­net. Auf einer fei­er­li­chen Preis­ver­lei­hung in den Räu­men der »Villa Orange« in Frank­furt am Main erhielt der Geschäfts­be­richt der Robert Bosch GmbH die Aus­zeich­nung als Gesamt­sie­ger. Als Mit­glied der Jury durfte ich die Awards für den Sie­ger in der Kate­go­rie »Digi­tal« (Boehrin­ger Ingel­heim) über­rei­chen. Zum Pri­vate Public Award erscheint ein von mir gestal­te­tes > Maga­zin, mit allen wich­ti­gen Ergeb­nis­sen und Infos rund um das Thema Geschäfts­be­richte. Der bereits zum sechs­ten Mal ver­lie­hene Pri­vate Public Award gilt als Ver­gleichs­maß­stab für die inhalt­li­che, sprach­li­che und gra­fi­sche Qua­li­tät der Berichte nicht-bör­sen­no­tier­ter Fami­li­en­kon­zerne. Bei der Bewer­tung der Geschäfts­be­richte arbei­tet der Initia­tor des Wett­be­werbs ergo Kom­mu­ni­ka­tion mit der Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft PKF Fas­selt Schlage und Klaus Bietz \ visu­elle Kom­mu­ni­ka­tion zusam­men.

Das hört man doch gerne: Der > Online-Geschäfts­be­richt 2014 von com­di­rect wurde bei den LACP-Awards mit Gold aus­ge­zeich­net. Die LACP Vision Awards wer­den jähr­lich von der League of Ame­ri­can Com­mu­ni­ca­ti­ons Pro­fes­sio­nals (LACP) ver­ge­ben und sind eine renom­mierte Aus­zeich­nung in der inter­na­tio­na­len Finanz­be­richt­erstat­tung.

Der > Online-Geschäfts­­be­richt für die Deka-Gruppe wurde gleich dop­pelt nomi­niert: bei den BCP-Award 2015 für die Kate­go­rie »Digi­tal Media/Mobile« und beim Deut­schen Preis für Online­kommuni­kation 2015 für die Kate­go­rie »Digi­ta­ler Geschäfts­bericht«. Jetzt heißt es Dau­men drü­cken.

Die Jury der PR Report Awards hat getagt und das > Maga­zin zum Pri­vate Public Award für die Kate­go­rie »Cor­po­rate Media — ana­log« in die Short­list des PR Report Awards 2015 gewählt. Am 16. April wird in Ber­lin von den nomi­nier­ten Arbei­ten in jeder Kate­go­rie des Wett­be­werbs eine Aus­zeich­nung ver­lie­hen. Dau­men drü­cken.

Auch die­ses Jahr wur­den wie­der die bes­ten Geschäfts­be­richte deut­scher Fami­li­en­un­ter­neh­men durch den Pri­vate Public Award aus­ge­zeich­net. Auf einer fei­er­li­chen Preis­ver­lei­hung im Lite­ra­tur­haus in Frank­furt am Main erhielt der Geschäfts­be­richt von TÜV SÜD die Aus­zeich­nung als Gesamt­sie­ger (Foto). Als Mit­glied der Jury durfte ich die Awards für den Sie­ger in der Kate­go­rie »Digi­tal« (MANN+HUMMEL) und den Bes­ten in der Kate­go­rie »Gestal­tung« (TRUMPF) ver­lei­hen. Zum Pri­vate Public Award erscheint ein von mir gestal­te­tes > Maga­zin mit allen wich­ti­gen Ergeb­nis­sen und Infos rund um das Thema Geschäfts­be­richte. Der bereits zum fünf­ten Mal ver­lie­hene Pri­vate Public Award gilt als Ver­gleichs­maß­stab für die inhalt­li­che, sprach­li­che und gra­fi­sche Qua­li­tät der Berichte nicht-bör­sen­no­tier­ter Fami­li­en­kon­zerne. Bei der Bewer­tung der Geschäfts­be­richte arbei­tet der Initia­tor des Wett­be­werbs ergo Kom­mu­ni­ka­tion mit der Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft PKF Fas­selt Schlage und Klaus Bietz \ visu­elle Kom­mu­ni­ka­tion zusam­men.

Der > Geschäfts­be­richt für Deka­Bank und der > Online-Geschäfts­be­richt für com­di­rect wur­den bei den LACP Awards 2013 jeweils mit Sil­ber aus­ge­zeich­net. Die LACP Vision Awards wer­den jähr­lich von der League of Ame­ri­can Com­mu­ni­ca­ti­ons Pro­fes­sio­nals (LACP) ver­ge­ben und sind eine renom­mierte Aus­zeich­nung in der inter­na­tio­na­len Finanz­be­richt­erstat­tung.

Der > Geschäfts­be­richt für Hera­eus wurde bei den LACP Awards 2013 mit Bronze aus­ge­zeich­net. Die LACP Vision Awards wer­den jähr­lich von der League of Ame­ri­can Com­mu­ni­ca­ti­ons Pro­fes­sio­nals (LACP) ver­ge­ben und sind eine renom­mierte Aus­zeich­nung in der inter­na­tio­na­len Finanz­be­richt­erstat­tung.

Die Stu­die zum Geschäfts­be­richt-Award: Das frisch erschie­nene > Maga­zin doku­mentiert nicht nur die Ergeb­nisse des Pri­vate Public Award son­dern bie­tet auch sonst noch einige Infor­mationen rund um das Thema Reporting.

Die zweite Aus­zeich­nung für den aktu­el­len > Geschäfts­be­richt der Deka­Bank: neben Sil­ber bei den LACP-Awards erhält der Bericht Bronze bei den ARC-Awards 2012 (Annual Report Com­pe­ti­tion).

Gleich ein Dop­pel­schlag: Sil­ber bei den LACP Awards 2012 gab es für den > Geschäfts­be­richt von Com­di­rect und den > Geschäfts­be­richt für Deka­Bank. Die LACP Vision Awards wer­den jähr­lich von der League of Ame­ri­can Com­mu­ni­ca­ti­ons Pro­fes­sio­nals (LACP) ver­ge­ben und sind eine renom­mierte Aus­zeich­nung in der inter­na­tio­na­len Finanz­be­richt­erstat­tung.

Es ist schon eine beson­dere Aus­zeich­nung, von der US-ame­ri­ka­ni­schen Außen­mi­nis­te­rin Hil­lary Clin­ton als Key­note-Speaker für ein Pan­nel zum Thema FGM (Female Geni­tal Muti­la­tion – weib­li­che Gen­tal­ver­stüm­me­lung) ein­ge­la­den zu wer­den. Sel­bi­ges wider­fuhr Tho­mas von der Osten-Sacken, Geschäfts­füh­rer der deut­schen Hilfs­or­ga­ni­sa­tion »wadi« und Mit­in­itia­tor der > Kam­pa­gne »Stop FGM Kur­di­stan«. Wurde das Thema FGM bis vor kur­zem noch als rein afri­ka­ni­sches Pro­blem wahr­ge­nom­men, so ist es der uner­müd­li­chen Arbeit von »wadi« und sei­nen Mitarbeiter/innen zu ver­dan­ken, dass mitt­ler­weile auch der Nahe Osten ins Blick­feld rückt. Herz­li­chen Glück­wunsch hierzu – ver­bun­den mit der Freude, dass ich die Kam­pa­gne seit ihrem Start unter­stüt­zen kann.

Am 15.11. wur­den im »Frank­fur­ter Hof« die dies­jäh­ri­gen Preise des Pri­vate Public Award ver­lie­hen. Bereits zum drit­ten Mal zeich­net der Wett­be­werb die bes­ten Geschäfts­be­richte deut­scher Fami­lien- oder Stif­tungs­un­ter­neh­men aus. Gesamt­sie­ger wurde der Bericht von B. Braun Mels­un­gen AG. Auf dem zwei­ten und drit­ten Platz folg­ten die Berichte von Franz Haniel & Cie. GmbH und der Otto GmbH & Co KG. Der erst­mals ver­lie­hene Son­der­preis »Bes­ter Nach­hal­tig­keits­be­richt« ging an die Oet­ker-Gruppe. Als Jury­mit­glied für das Seg­ment Gestal­tung durfte ich den Preis »Beste Gestal­tung« an die Her­aus Hol­ding GmbH über­rei­chen.

Geschafft: Nach fast zwei Jah­ren war es an der Zeit, die Web­site einem gründ­li­chen Relaunch zu unter­zie­hen. Heute ist sie nun end­lich online – mit einer aktua­li­sier­ten Struk­tur, kla­rer Tren­nung zwi­schen News und Pro­jekt­dar­stel­lun­gen und ganz ohne Flash-Anwen­dun­gen… Viel Spaß.

Auch die­ses Jahr wurde der > Geschäfts­be­richt der Com­di­rect Bank wie­der bei den LACP-Awards aus­ge­zeich­net. Nach Bronze im letz­ten Jahr gab es dies­mal eine Sil­ber­me­daille. Dem­nach müßte es, nach den Regeln der Wahr­schein­lich­keits­rech­nung, im nächs­tes Jahr Gold geben – wir arbei­ten dran. Die LACP Vision Awards wer­den jähr­lich von der League of Ame­ri­can Com­mu­ni­ca­ti­ons Pro­fes­sio­nals (LACP) ver­ge­ben und sind eine renom­mierte Aus­zeich­nung in der inter­na­tio­na­len Finanz­be­richt­erstat­tung.

Sehr gute Nach­rich­ten errei­chen mich aus dem Nord­irak: Das Kur­di­sche Regio­nal­par­la­ment hat ges­tern end­lich das Gesetz zum Ver­bot von weib­li­cher Geni­tal­ver­stüm­me­lung (FGM) ver­ab­schie­det. Das ist vor allem auch der uner­müd­li­chen Arbeit der Hilfs­or­ga­ni­sa­tion »wadi« – die ich öfters im Nord­irak besucht habe – und der > Kam­pa­gne »Stop FGM in Kur­di­stan« zu ver­dan­ken. Ein biss­chen stolz darf man da also schon sein, auch wenn das Gesetz wohl eher sym­bo­li­schen Cha­rak­ter haben wird.

Die deut­sche Hilfs­or­ga­ni­sa­tion »wadi« braucht für Ihre bei­den Spiel­busse, die – bela­den mit Kin­der­spiel­zeug – abge­le­gendste Dör­fer im Nord­irak besu­chen, drin­gend Spen­den. Nur so ist gewähr­leis­tet, dass das erfolg­rei­che Pro­jekt fort­ge­setzt wer­den kann. Ich habe des Öfte­ren »wadi« vor Ort besucht und über deren Arbeit berich­tet. Wer also etwas Gutes tun möchte:
Spen­den­konto WADI e.V., Konto 612 305 602
Post­bank Frank­furt (BLZ 500 100 60)
IBAN: DE43500100600612305602, BIC: PBNKDEFF

Am 5. Okto­ber 2010 wur­den in Frank­furt die Preise des Pri­vate Public Award ver­lie­hen. Bereits zum zwei­ten Mal zeich­net der Wettb­werb die bes­ten Geschäfts­be­richte deut­scher Fami­lien- und Stif­tungs­un­ter­neh­men aus. Als Mit­glied der Jury durfte ich auch die­ses Jahr wie­der die Lau­da­tio auf den Sie­ger in der Kate­go­rie »Gestal­tung« hal­ten.

Die­ser Preis ging dies­mal an die Hera­eus Hol­ding, wäh­rend das Unter­neh­men Franz Haniel & Cie als Gesamt­sie­ger glän­zen konnte. Wei­tere Preise gin­gen an die Otto Group, B.Braun Mels­un­gen und Wilo SE. Aus der Pres­se­mit­tei­lung des Initia­tors ergo Kom­mu­ni­ka­tion: » … Das For­mat hat sich bin­nen kür­zes­ter Zeit als Ver­gleichs­maß­stab für die inhalt­li­che, sprach­li­che und gra­fi­sche Qua­li­tät der Berichte nicht bör­sen­no­tier­ter Fami­li­en­kon­zerne eta­bliert. Bei der Bewer­tung der Geschäfts­be­richte anhand von über 90 Kri­te­rien arbei­tet ergo eng mit der Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft PKF Fas­selt Schlage und dem Desi­gner Klaus Bietz zusam­men. In der Jury sind fer­ner die Mor­gan Stan­ley Bank, Roland Ber­ger Stra­tegy Con­sul­tants und die Zep­pe­lin Uni­ver­si­tät ver­tre­ten …«

Zum Wett­be­werb ist eine umfang­rei­che Stu­die erschie­nen.

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Lau­da­tio auf den Geschäfts­be­richt der Hera­eus Hol­ding, Sie­ger in der Kate­go­rie »Gestal­tung« (Foto: ergo Kom­mu­ni­ka­tion)

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Die Preis­trä­ger und die Lau­da­to­ren (v.l.n.r.): Klaus Bietz, Thilo Brei­der (Agen­tur 3st), Janina Fichte (Hera­eus Hol­ding), Dr. Lutz Raet­tig (Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­der Mor­gan Stan­ley Bank AG, Jury­mit­glied und Lau­da­tor) Foto: ergo Kom­mu­ni­ka­tion

Seit 2008 haben mich drei Rei­sen in den kur­di­schen Nord­irak geführt, um die dor­tige Arbeit der Hilfs­or­ga­ni­sa­tion »wadi« zu unter­stüt­zen. Eine > Foto­re­por­tage über ein Land, von dem wir oft ein allzu ein­sei­ti­ges Bild haben.

Der Geschäfts­be­richt 2009 der Com­di­rect Bank wurde bei den LACP-Awards mit Bronze aus­ge­zeich­net. Die LACP Vision Awards wer­den jähr­lich von der League of Ame­ri­can Com­mu­ni­ca­ti­ons Pro­fes­sio­nals (LACP) ver­ge­ben und sind eine renom­mierte Aus­zeich­nung in der inter­na­tio­na­len Finanz­be­richt­erstat­tung.

Ende 2009 war ich erneut im Nord­irak, um die Arbeit Hilfs­or­ga­ni­sa­tion »wadi« zu unter­stüt­zen. Ein Ergeb­nis davon war eine Bil­d/­Text-Repor­tage über die Hilfs­pro­jekte in Hal­abja, die im jähr­li­chen Rund­brief von »wadi« erschien.

Ein Tag in Halabja

Hal­abja – die Stadt im Nord­os­ten des Iraks, nahe der ira­ni­schen Grenze gele­gen, stand ein­mal kurz im Zen­trum der Welt­öf­fent­lich­keit: vor mitt­ler­weile 21 Jah­ren ließ Sad­dam Hus­sein die Stadt mit Gift­gas bom­bar­die­ren. 5.000 Men­schen star­ben damals sofort, Tau­sende spä­ter, und noch heute lei­den hier Men­schen unter den Spät­fol­gen. Mas­sen­grä­ber und ein weit­hin sicht­ba­res Mahn­mal sind die stei­ner­nen Zeu­gen die­ser schreck­li­chen Ver­gan­gen­heit.

Doch ich bin mit der deut­schen Hilfs­or­ga­ni­sa­tion WADI auf dem Weg, um die Zukunft von Hal­abja ken­nen zu ler­nen. Ich will wis­sen: Wie gelingt es einer der­art geschun­de­nen Region, sich vom Hor­ror der Ver­gan­gen­heit zu befreien. Unter­wegs tref­fen wir den mit Kin­der­zeich­nun­gen bemal­ten Spiel­bus von WADI. Seit nun­mehr fast zwei Jah­ren fährt der etwas alters­schwa­che Bus durch die Hau­ra­man-Region und macht Sta­tion in Dör­fern, in denen Spiel­plätze für Kin­der unbe­kannt sind.

Vier Tage in der Woche sind Kos­ralan Abu Baker, der Fah­rer sowie Hero Waqel, eine Erzie­he­rin und Shnur Karemm, eine Kranken­schwester mit dem Spiel­bus in den abge­schie­de­nen und trost­losen Dör­fern unter­wegs. in Gegen­den, in denen es oft noch immer an Infra­struk­tur und medi­zi­ni­scher Ver­sor­gung fehlt.

Unzäh­lige Dör­fer in die­ser Region wur­den im Rah­men von Sad­dams soge­nann­ter »Anfal«-Kampagne mit Gift­gas bom­bar­diert und dem Erd­bo­den gleichge­macht. Viele Men­schen lei­den immer noch unter phy­si­schen und/oder psy­chi­schen Spät­fol­gen. Neu­ge­bo­rene wei­sen häu­fig Miss­bil­dun­gen auf und die Leuk­ämie­r­ate ist deut­lich höher als nor­mal. Unbe­schwer­ten Spaß zu haben, ist hier für Kin­der immer noch eine Sel­ten­heit und der Spiel­bus oft die ein­zige Attrak­tion in ihrem tris­ten All­tag.

In Hal­abja ange­kom­men, besu­chen wir den Radio­sen­der »Dange Nwe« – zu deutsch: »Neue Stimme«. Schon von wei­tem ist der hohe Sen­de­mast zu erken­nen. Im Jahr 2005 initi­iert von WADI, ist Radio »Dange Nwe« bis heute der ein­zige unab­hän­gige Radio­sen­der im Irak. Er bie­tet vor­wie­gend ein Pro­gramm für Frauen und Jugend­li­che. Talk­shows, Nach­rich­ten­sen­dun­gen, selbst pro­du­zierte Doku­men­ta­tio­nen haben ebenso ihren Platz, wie regio­nale und inter­na­tio­nale Musik oder Roman­le­sun­gen. Das Radio ermu­tigt seine Hörer mit­zu­ma­chen: diese rufen an, sagen ihre Mei­nung und spre­chen offen Pro­bleme und Miß­stände an. Acht Mit­ar­bei­ter, davon fünf Frauen, sind eigen­ver­ant­wort­lich für das Radio. Fast alle sind in Flücht­lings­la­gern auf­ge­wach­sen, kei­ner hat eine jour­na­lis­ti­sche Aus­bil­dung.

Zum Mit­tag­essen sind wir ins Frau­en­zen­trum von Hal­abja ein­ge­la­den. Den übli­chen Tee gibt es ein Stock­werk höher im Frau­en­café, wel­ches 2007, als ers­tes Frau­en­café im kur­dischen Nord­irak, eröff­net wer­den konnte. Ein wich­ti­ges Novum, da Cafés ansons­ten nur Män­nern zugäng­lich sind und Frauen in Hal­abja keine Mög­lich­keit hat­ten sich unge­stört zu tref­fen. Das Frau­en­zen­trum ver­wal­tet sich mitt­ler­weile selbst und wird, wie alle WADI-Pro­jekte im Raum Hal­abja von der Stif­tung »Green Cross« unter­stützt. Wäh­rend am Tisch gegen­über gerade die erste Selbst­hil­fe­gruppe für geni­tal­ver­stüm­melte Frauen gegrün­det wird, tref­fen auch schon die ers­ten Frauen für die zahl­reichen Kurse und Ver­an­stal­tun­gen ein, die hier ange­bo­ten wer­den. Viele Frauen hat­ten nie die Chance, Schrei­ben und Lesen zu ler­nen. Jetzt haben sie die Mög­lich­keit – und diese wird gerne wahr­ge­nom­men. Das Zen­trum bie­tet wei­ter­hin medi­zi­ni­sche und juris­ti­sche Beratungs­dienste sowie berufs­qualifizierende Kurse und Semi­nare an.

Viele Frauen tra­gen noch Kopf­tuch. Ob aus Tra­di­tion oder aus reli­giö­ser Über­zeugung? Ich habe ver­ges­sen zu fra­gen. Im Ver­gleich zum letz­ten Jahr sehe ich jeden­falls nun auch in den Stra­ßen von Hal­abja junge Frauen west­lich ge­kleidet und ohne Kopf­tuch. Vor Jah­ren wären sie dafür noch umge­bracht wor­den. Wir machen noch eine kurze Zwi­schen­sta­tion am Mahn­mal für die Gift­gasopfer in Hal­abja und dann geht es zurück nach Sule­ma­niyah. Die Zei­ten ändern sich.

Zum Pri­vate Public Award 2009 gerade erschie­nen: 80 Sei­ten geballte Infor­ma­tio­nen zum Thema Geschäfts­be­richte von deut­schen Fami­lien- und Stif­tungs­un­ter­neh­men, inkl. einem Bei­trag von mir zum Thema Gestal­tung von Geschäfts­be­rich­ten:

Das Design von Geschäftsberichten – ein Balanceakt

Umschläge mit meh­re­ren Innen­klap­pen, ver­schie­dene Bedruck­stoffe, Son­der­far­ben, Blind- und Heiß­fo­li­en­prä­gung oder ein­ge­legte Pro­dukt­über­sich­ten, aus­klapp­bare Innen­sei­ten oder Klebe-, Faden- und Spi­ral­bin­dung, als Schwei­zer Bro­schur oder sogar in Buch­form … der Fan­ta­sie bei der Gestal­tung von Geschäfts­be­rich­ten von Fami­lien- und Stif­tungs­un­ter­neh­men schei­nen keine Gren­zen gesetzt zu sein. Die Gren­zen wer­den aber dann offen­sicht­lich, wenn die Gestal­tung den Inhalt über­la­gert oder nur dazu dient, vor dürf­ti­gen Inhal­ten eine impo­sante Fas­sade zu stel­len. In die­sem Fall ver­fehlt der Geschäfts­be­richt seine Funk­tion als ein zen­tra­les Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel von Unter­neh­men in Fami­lien- oder Stif­tungs­be­sitz.

Der Geschäfts­be­richt muss in Text, Gra­fik und Mate­ria­li­tät (Papier, Druck, Ver­ar­bei­tung) die Werte eines Unter­neh­mens kom­mu­ni­zie­ren und kann wie keine andere Publi­ka­tion auch eine Unter­neh­mens­stra­te­gie visua­li­sie­ren. Damit wird er zu einem wich­ti­gen Image­trä­ger des Unter­neh­mens. Aber um sei­ner Funk­tion gerecht wer­den zu kön­nen, muss er glaub­wür­dig sein – sowohl beim Inhalt als auch in sei­ner Gestal­tung. Denn Gestal­tung ist kein Selbst­zweck, son­dern dient dazu, Inhalte durch visu­elle Kom­mu­ni­ka­tion zu struk­tu­rie­ren und zu emo­tio­na­li­sie­ren. Mit dem Ziel, dem Emp­fän­ger den Zugang zu die­sen Inhal­ten zu erleich­tern und ihn die Iden­ti­tät eines Unter­neh­men spür­bar wer­den zu las­sen.

Das beginnt bei dem ers­ten Ein­druck, den ein Geschäfts­be­richt beim Leser hin­ter­lässt, sobald er den Bericht zur Hand nimmt. Ein außer­ge­wöhn­li­ches For­mat abseits des klas­si­schen DIN A4 erregt die Auf­merk­sam­keit, kann aller­dings auch, auf­grund der Abwei­chung vom Stan­dard­for­mat, höhere Erwar­tun­gen an die Gestal­tung des gesam­ten Geschäfts­be­richts wecken. Zudem hat das DIN-A4-For­mat auch Vor­teile – wenn z.B. alle ande­ren Bro­schü­ren des Unter­neh­mens die­ses For­mat haben und die Ver­sand­lo­gis­tik dar­auf abge­stimmt ist. Auch die Menge des beim Druck anfal­len­den Papier­ab­falls kann ein Gesichts­punkt sein, den es zu berück­sich­ti­gen gilt.

Für die Kom­mu­ni­ka­tion mit dem Leser mit Hilfe des Geschäfts­be­richts spielt das Lay­out – also das Zusam­men­spiel ein­zel­ner Ele­mente wie For­mat, Text, Far­ben, Bil­der, Gra­fi­ken und Tabel­len – eine ent­schei­dende Rolle. Die­ses Lay­out basiert auf einem Gestal­tungs­ras­ter. Das Ras­ter ermög­licht es dem Gestal­ter, dem Bericht eine visu­elle Struk­tur zu geben, indem es die bei­den Ant­ago­nis­men Ord­nung und Krea­ti­vi­tät in eine Sys­te­ma­tik ein­bin­det. Das erfor­dert viel Fin­ger­spit­zen­ge­fühl, denn wird hier an den Stell­schrau­ben falsch gedreht, dann kann der Bericht ent­we­der lang­wei­lig gera­ten oder ins „krea­tive Chaos“ abglei­ten.

Text­ko­lon­nen mit Wäh­rungs­zei­chen und Aus­zeich­nun­gen, Auf­lis­tun­gen, Tabel­len, Info­gra­fi­ken usw. – wohl keine andere Publi­ka­tion stellt der­art hohe Anfor­de­run­gen an den Fak­tor Schrift wie ein Geschäfts­be­richt. Die Wahl der rich­ti­gen Typo­gra­fie – der Schrift und deren Anwen­dungs­me­tho­di­ken wie Schrift­größe, Satz­spie­gel oder Satz­art – ist ein ent­schei­den­des Kri­te­rium für des­sen Les­bar­keit. Und gute Typo­gra­fie schmei­chelt Auge und Inhalt zugleich, sie ist Infor­ma­ti­ons- und Image­trä­ger. Diese Dop­pel­funk­tion macht die Typo­gra­fie zu einer der zen­tra­len Säu­len für die über­zeu­gende Gestal­tung eines Geschäfts­be­richts – zugleich aber auch zu einer der größ­ten Her­aus­for­de­run­gen. Denn trotz 6000 Jahre Schrift­ge­schichte: Die opti­male Schrift gibt es nicht. Eine gut les­bare Schrift kann, falsch ein­ge­setzt, mise­ra­ble Ergeb­nisse lie­fern und einen her­vor­ra­gen­den Inhalt kon­ter­ka­rie­ren wäh­rend eine exzel­lente Gestal­tung auch mit einer ver­meint­lich schlecht les­ba­ren Schrift über­zeu­gende Resul­tate lie­fern kann.

Diese her­aus­ra­gende Bedeu­tung der Typo­gra­fie zeigt sich auch bei Tabel­len. Gerade weil bei ihnen der Gestal­tungs­spiel­raum begrenzt scheint, sind sie eine gestal­te­ri­sche Her­aus­for­de­rung. Auch hier gibt es keine Stan­dards, aber Kri­te­rien der Les­bar­keit und der Sys­te­ma­tik, die es zu beach­ten gilt.

Kein Geschäfts­be­richt ohne Infor­ma­ti­ons­gra­fi­ken – denn sie ermög­li­chen dem Leser,das schnelle Erfas­sen kom­ple­xer Zusam­men­hänge und eröff­nen dem Gestal­ter die Mög­lich­keit, für das Unter­neh­men ein­präg­same visu­elle Eck­punkte im Geschäfts­be­richt zu set­zen. Ein­deu­tig­keit und Klar­heit der Infor­ma­ti­ons­ver­mitt­lung ste­hen dabei an ers­ter Stelle, was aber nicht Gleich­för­mig­keit und Lan­ge­weile bedeu­ten darf. Wenn der Gestal­ter um die Anfor­de­run­gen einer gut les­ba­ren Infor­ma­ti­ons­gra­fik weiß, so bie­ten sich ihm eine Menge Mög­lich­kei­ten, um aus einem ein­fa­chen Dia­gramm auch einen Image­trä­ger zu machen.

Das gilt auch für den Ein­satz von Bil­dern. War frü­her das Vor­stands­foto oft die ein­zige Foto­gra­fie, die extra für den Geschäfts­be­richt ange­fer­tigt wurde und man sich ansons­ten aus dem Archiv bediente, so ist ein pro­fes­sio­nel­les Bild­kon­zept mitt­ler­weile unum­gäng­lich. Ob durch­ge­hend ein­heit­li­che Bild­spra­che oder Patch­work – das Kon­zept und die Authen­ti­zi­tät ist ent­schei­dend. Dau­er­g­rin­sende Foto­mo­delle mit Tele­fon in der Hand oder bedeu­tungs­schwan­gere Meta­phern wie Brü­cken sind zwar bei Bild­agen­tu­ren schnell besorgt, aber der Glaub­wür­dig­keits-Fak­tor sol­cher Bil­der geht gegen null. Viele Pro­dukt­fo­tos ber­gen die Gefahr, aus dem Geschäfts­be­richt ten­den­zi­ell eine Pro­dukt­bro­schüre zu machen, und eine Bild­stre­cke mit den schöns­ten Ansich­ten der Unter­neh­mens­zen­trale ist noch lange kein Bild­kon­zept. Foto­gra­fie ist als Image­trä­ger zu wich­tig, als das man sie auf die Funk­tion der visu­el­len Auf­lo­cke­rung redu­zie­ren darf. Ein intel­li­gen­tes Bild­kon­zept und deren pro­fes­sio­nelle Umset­zung ist ein zen­tra­ler Bestand­teil eines Geschäfts­be­richts – wobei der Begriff „Bild“ nicht nur auf die Foto­gra­fie beschränkt sein darf; auch Illus­tra­tio­nen kön­nen ein span­nen­des Bild­kon­zept erge­ben.

Um sei­ner Funk­tion als Image­trä­ger des Unter­neh­mens erfül­len zu kön­nen, muss sich ein Geschäfts­be­richt in das Cor­po­rate Design einer Fami­lien- oder Stif­tungs­ge­sell­schaft ein­fü­gen. Oder viel­leicht doch nicht? Bei der Bezie­hungs­frage zwi­schen Geschäfts­be­richt und Cor­po­rate Design gibt es zwei Lager: Für die einen ist das Cor­po­rate Design ver­bind­li­che Grund­lage für die Erstel­lung aller Unter­neh­mens­pu­bli­ka­tio­nen, fast schon mit dem Cha­rak­ter eines unum­stöß­li­chen Geset­zes. Die Unter­ord­nung des Geschäfts­be­richts unter die­sen Regeln bedeu­tet oft­mals ein in Stein gemei­ßel­tes Gestal­tungs­ras­ter – obgleich die­ses Ras­ter eigent­lich für Pro­dukt­bro­schü­ren o.ä. gedacht ist – sowie eine unpas­sende Typo­gra­fie und vor­ge­fer­tigte Bild­wel­ten. Die­sem Kon­flikt fällt dann lei­der nur allzu oft die gestal­te­ri­sche und somit die kom­mu­ni­ka­tive Qua­li­tät des Berichts zum Opfer. Das andere Lager dage­gen pos­tu­liert die gestal­te­ri­sche Frei­heit nach dem Motto „Wir machen schließ­lich einen GESCHÄFTSBERICHT, da dür­fen uns doch die Fes­seln des Cor­po­rate Design nicht ein­engen“. Das kann aller­dings zur Folge haben, dass der Geschäfts­be­richt zwar ein krea­ti­ves Meis­ter­werk wird, aber kei­ner­lei visu­elle Bezüge zum Unter­neh­men zeigt – und damit eben­falls als Image­trä­ger ver­sagt. Mitt­ler­weile gesellt sich noch ein drit­tes Lager hinzu. Das pro­fi­tiert von den Schwä­chen der bei­den ande­ren und klam­mert sich an ein neues Rezept Ein für alle Unter­neh­men gül­ti­ges „Geschäfts­be­richt Cor­po­rate Design“: uni­ver­selle Stan­dards für Typo­gra­phie, Gestal­tungs­ras­ter und Lay­out-Sys­te­ma­tik bis hin zur buch­bin­de­ri­schen Ver­ar­bei­tung.

Rich­tig ist: Das Cor­po­rate Design eines Unter­neh­mens kann nicht gänz­lich außen vor gelas­sen wer­den, da der Geschäfts­be­richt zen­tra­ler Bestand­teil des visu­el­len Erschei­nungs­bild eines Unter­neh­mens ist. Rich­tig ist aber auch: Gestal­te­ri­sche Frei­hei­ten sind not­wen­dig, da der Geschäfts­be­richt inner­halb der Unter­neh­mens­pu­bli­ka­tio­nen inhalt­lich und for­mal eine Son­der­stel­lung ein­nimmt, die von einem Cor­po­rate Design kaum voll­stän­dig berück­sich­tigt wer­den kann. Und: Es gibt gewiss Stan­dards, die bei der Gestal­tung von Geschäfts­be­rich­ten hilf­reich sind. Aber sie dür­fen kein Dogma sein, sonst läuft das Fami­lien- oder Stif­tungs­un­ter­neh­men Gefahr, aus­tausch­bare Kopien auf hohem Niveau zu erzeu­gen – und seine Chance unge­nutzt ver­strei­chen zu las­sen, den Geschäfts­be­richt als glaub­wür­di­ges Kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­stru­ment erfolg­reich ein­zu­set­zen.

Am 26. Okto­ber 2009 wur­den in Frank­furt die Preise des Pri­vate Public Award ver­lie­hen. Der Wettb­werb kürt die bes­ten Geschäfts­be­richte deut­scher Fami­lien- und Stif­tungs­un­ter­neh­men aus. Ich durfte als Mit­glied der Jury die Lau­da­tio auf den Sie­ger in der Kate­go­rie »Gestal­tung« hal­ten.

Hin­ter dem Pri­vate Public Award steht die inha­ber­ge­führte Kom­mu­ni­ka­ti­ons­be­ra­tung ergo gemein­sam mit der Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft PKF Fas­selt Schlage Lang und Stolz. Unter­stützt wer­den sie von renom­mier­ten Part­nern wie der Mor­gan Stan­ley Bank und Roland Ber­ger Stra­tegy Con­sul­tants, die auch in der Jury ver­tre­ten sind. Das Urteil beruhte auf einem mehr als 70 Qua­li­täts­merk­male umfas­sen­den Kri­te­ri­en­ka­ta­log zu Inhalt, Struk­tur und Spra­che sowie Gestal­tung und Nut­zer­freund­lich­keit der Geschäfts­be­richte. Damit liegt erst­mals ein For­mat für die maß­ge­schnei­derte Bewer­tung von Geschäfts­be­rich­ten vor, das sich auf nicht bör­sen­no­tierte Unter­neh­men in Fami­lien- und Stif­tungs­be­sitz fokus­siert. Die Ergeb­nisse aus der Geschäfts­be­richts-Ana­lyse und einer beglei­ten­den Umfrage sind in der groß ange­leg­ten Stu­die „Aus guter Fami­lie“ (PDF 794 KB) auf­be­rei­tet.

Dem­nach reicht die Band­breite der unter­such­ten Geschäfts­be­richte von Kata­log­stärke bis zum dün­nen Heft­chen, vom puris­ti­schen Finanz­be­richt bis zum Mes­se­stand im Print­for­mat. Der Trend zur wert­ori­en­tier­ten Bericht­erstat­tung – bei Bör­sen­wer­ten längst Stan­dard – hat sich noch kei­nes­wegs flä­chen­de­ckend durch­ge­setzt. Inter­es­sant auch: Mit den Vor­tei­len, die eine sta­bile Eigen­tü­mer­struk­tur gerade in der Finanz­markt­krise mit sich bringt, gehen längst nicht alle Fami­lien- und Stif­tungs­un­ter­neh­men offen­siv um. Dafür wird in Pro­gno­se­be­rich­ten häu­fig Klar­text gere­det, weil keine Rück­sicht auf den Akti­en­kurs genom­men wer­den muss.

Die Adolf Würth-Gruppe hat den bes­ten Geschäfts­be­richt 2008 aus der Gruppe der 240 größ­ten, nicht bör­sen­no­tier­ten Fami­lien- und Stif­tungs­un­ter­neh­men Deutsch­lands vor­ge­legt. Beim erst­mals aus­ge­lob­ten pri­vate publ!c Award erreichte das Unter­neh­men aus Kün­zel­sau über 80 % der Höchst­punkt­zahl. Platz zwei belegt der Bericht des Land­ma­schi­nen­bau­ers CLAAS, wäh­rend sich Gies­ecke & Devri­ent den drit­ten Platz sichern konn­ten. Dane­ben wur­den Aus­zeich­nun­gen für die beste Spra­che (Voith), die beste Gestal­tung (Mar­quard & Bahls) sowie die beste Cor­po­rate Gover­nance-Kom­mu­ni­ka­tion (Del­ton) ver­ge­ben.

Zusam­men mit Dr. Mar­tin Fas­selt (PKF), Tors­ten Olt­manns (Roland Ber­ger), Dr. Kat­rin Ste­fan (Zep­pe­lin Uni­ver­si­tät) und Andreas Mar­tin (ergo Kom­mu­ni­ka­tion) bin ich Jury-Mit­glied des Pri­vate Public Award. Der Wett­be­werb wird die bes­ten Geschäfts­be­richte von deut­schen Fami­lien- und Stif­tungs­un­ter­neh­men aus­zeich­nen.

Tho­mas von der Osten-Sacken ist Grün­dungs­mit­glied der Hilfs­or­ga­ni­sa­tion »wadi«. Dane­ben ist er Publi­zist, schreibt u.a. für »Die Welt« und für »Jungle World«, und ein gefrag­ter Experte zu den The­men Irak und Naher Osten. Wäh­rend mei­nes Auf­ent­halts im kur­di­schen Nord­irak habe ich ein Inter­view mit ihm geführt.

Seit 1991 ist »wadi« nun im Irak tätig. Wie kam es eigentlich zur Gründung eurer Hilfsorganisation?

»wadi« wurde gegrün­det von Leu­ten, die 1991, unmit­tel­bar nach dem zwei­ten Golf­krieg, in den ver­schie­dens­ten Hilfs­pro­jek­ten im Irak gear­bei­tet haben. Ich war einer davon. Ich habe acht Monate im Süd­irak in einem Not­hillfs­pro­jekt gear­bei­tet und dabei das Land, und vor allem auch die Dik­ta­tur Sad­dam Hus­seins, ken­nen­ge­lernt. Die Men­schen dort im Süd­irak gaben uns den Rat, in den Nor­den, also in das damals schon befreite ira­kisch-Kur­di­stan, zu gehen. Dar­auf­hin haben wir Ende 1991 »wadi« gegrün­det und 1993 mit unse­rer Arbeit in der Region ange­fan­gen.

Wie hat sich eure Arbeit im Laufe der Zeit entwickelt?

Schon von Beginn an war uns klar, dass wir einen Schwer­punkt auf soziale Pro­jekte legen wol­len. Also Pro­jekte, die lang­fris­tig auch gesell­schaft­li­che Ver­än­de­run­gen voran­treiben. Aller­dings waren die Vor­aus­set­zun­gen zu die­ser Zeit alles andere als ideal: im Nord­irak, als auch im gesam­ten Land, herrschte ziem­li­ches Chaos. Die Not im Land war der­art groß, dass wir mehr auf kurz­fris­tige Hilfe set­zen muss­ten. Aber im Laufe der Zeit haben sich dann doch unsere Schwer­punkte her­aus­kris­tal­li­siert: also die Unter­stüt­zung von Pro­jek­ten für Frauen und Jugend­li­che oder von Gefan­ge­nen- und Flücht­lings­pro­jek­ten. Vor allem ab 2003, nach dem Sturz von Sad­dam Hus­sein, hat sich die Lage in der Region soweit sta­bi­li­siert, das wir end­lich auch Pro­jekte ange­hen konn­ten, die eher lang­fris­tig ange­legt sind.

»wadi« hat mittlerweile zahlreiche Mitarbeiter, die in den verschiedensten Projekten tätig sind. Wie sieht eure Mitarbeiter-Struktur aus und welche Leute arbeiten für »wadi«?

Momen­tan sind etwas über sech­zig Leute in den ein­zel­nen Pro­jek­ten tätig. Da wir gro­ßen Wert dar­auf legen, dass unsere Orga­ni­sa­tion die dor­ti­gen gesell­schaft­li­chen Struk­tu­ren wie­der­spie­gelt, sind es viele Frauen und viele sehr junge Men­schen, die für uns arbei­ten. Man muss sich immer wie­der klar machen, dass im Nahen Osten etwa 60% der Leute unter 25 sind, aber in den dor­ti­gen Orga­ni­sa­tio­nen und Insti­tu­tio­nen ein Alters­durch­schnitt von 40 bis 50 vor­herrscht. Unser Ziel ist es, den Leu­ten bei uns zu hel­fen, neue und eigene Wege zu gehen. Da sind uns Uni­ver­si­täts­ab­schlüsse usw. nicht so wich­tig, son­dern ent­schei­dend ist, dass die Leute enga­giert sind. Damit haben wir die bes­ten Erfah­run­gen gemacht. Die Radio­sta­tion in Hal­ab­dscha, wo Du ja auch warst, ist hier­für ein gutes Bei­spiel: Viele der Leute dort sind in Flücht­lings­la­gern groß gewor­den, hat­ten noch nicht mal die Mög­lich­keit für eine ordent­li­che Schul­aus­bil­dung und trotz­dem mana­gen sie jetzt selbst­ver­ant­wort­lich eine ganze Radio­sta­tion. Das bedeu­tet auch, dass die Leute am Anfang Feh­ler machen müs­sen. Wir erwar­ten also am Beginn kei­nes­wegs eine per­fekte Arbeit. Wir kön­nen aber dafür mit sehr fla­chen Hier­ar­chien arbei­ten und, was ganz wich­tig ist, die Leute ent­wi­ckeln im Laufe der Zeit ein hohes Maß an Krea­ti­vi­tät und Eigen­ver­ant­wor­tung.

Betreut ihr nur Projekte im kurdischen Nordirak oder seit ihr auch in anderen Regionen tätig?

Wir unter­stüt­zen ein Com­mu­nity-Radio für Frauen und Jugend­li­che in Jor­da­nien und bera­ten nicht­staat­li­che syri­sche Orga­ni­sa­tio­nen. Außer­dem haben wir frü­her Pro­jekte in Israel, vor allem in der ara­bisch-israe­li­schen Com­mu­nity, unter­stützt. Und natür­lich sind wir auch in Deutsch­land aktiv: zum einen in der Flücht­lings­ar­beit und zum ande­ren bei der Unter­stüt­zung der demo­kra­ti­scher Oppo­si­tion aus dem Nahen Osten, vor allem aus Syrien und dem Iran.

Im letzten Jahr startete »wadi« im kurdischen Nordirak eine Kampagne gegen FGM, also der Genitalverstümmelung bei Mädchen und Frauen, und das mit großem Erfolg. Wie ist der Stand der Dinge?

Erstaun­lich gut. Die Frau­en­frage ist momen­tan das zen­trale Thema im kur­di­schen Par­la­ment – nicht zuletzt wegen unse­rer Kam­pa­gne. Es wurde sehr kon­tro­vers über eine Ver­än­de­rung des Zivil­straf­rechts dis­ku­tiert, mit dem Ergeb­nis, dass nun ein Gesetz im Regio­nal­par­la­ment ver­ab­schie­det wer­den soll, das weib­li­che Geni­tal­ver­stüm­me­lung unter Strafe stel­len wird. Gerade in den letz­ten Wochen wurde von Par­la­ments­ab­ge­ord­ne­ten, aber auch von Ver­tre­tern der Regie­rung, Geni­tal­ver­stüm­me­lung bei Mäd­chen und Frauen in den Medien stark the­ma­ti­siert. So ist in den ver­schie­de­nen kur­di­schen Fern­seh­sta­tio­nen sehr viel da­rüber berich­tet wor­den. Wir sind sehr opti­mis­tisch, dass das Gesetz kommt und damit zum ers­ten Mal eine Regie­rung in die­ser Region, öst­lich des Suez-Kanals, die Exis­tenz die­ses Pro­blems aner­kannt hat.

Hilfsprojekte kosten Geld. Wie werden eure einzelnen Projekte finanziert?

Wir wer­den fast aus­schließ­lich von nicht­staat­li­chen Orga­ni­sa­tio­nen und Stif­tun­gen aus aller Welt unter­stützt. Wir haben Geld­ge­ber in den USA, in der Schweiz, in Öster­reich und in Frank­reich. Aber rela­tiv wenig Unter­stüt­zung aus Deutsch­land. Das mag daran lie­gen, dass für viele in Deutsch­land unsere Arbeits­weise im Irak unge­wohnt ist. Aber auch daran, dass staat­li­che Stel­len in Deutsch­land kein gro­ßes Inter­esse daran haben, in die­ser Region aktiv zu wer­den und uns gegen­über auch sehr reser­viert sind. Und zwar des­halb, weil wir immer, auch 2003, auf der Seite der demo­kra­ti­schen ira­ki­schen Oppo­si­tion und der ira­ki­schen Kur­den stan­den. Für uns war der Sturz Sad­dam Hus­seins Prio­ri­tät.

Welche Projekte benötigen am dringensten finanzielle Unterstützung?

Aktu­ell benö­tigt unsere Kam­pa­gne gegen Geni­tal­ver­stüm­me­lung drin­gend finan­zi­elle Unter­stüt­zung. Und dann gibt es noch Pro­jekte, die quasi in der Schub­lade lie­gen, aber nicht gestar­tet wer­den kön­nen, weil wir keine Finan­zie­rung dafür haben. Seit­dem unsere Radio­sta­tion in Hal­ab­dscha läuft, kom­men bei­spiels­weise immer wie­der Leute auf uns zu, die ein ähn­li­ches Pro­jekt mit uns rea­li­sie­ren möch­ten. So haben wir seit fast zwei Jah­ren ein Radio­pro­jekt in Pla­nung, das ein drei­spra­chi­ges Pro­gramm in kur­disch, ara­bisch und turk­me­nisch sen­den soll…

…aber trotz kleinem Budget arbeitet ihr sehr erfolgreich?

Ja, wir sind in der Region momen­tan die Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen mit den meis­ten Pro­jek­ten. Aber wir sind dazu gezwun­gen, jeden Dol­lar mehr­mals umzu­dre­hen und sind auf jede noch so kleine Spende ange­wie­sen.

Du bist jetzt seit 17 Jahren im Irak tätig und mittlerweile ja auch ein gefragter Experte zum Thema Irak und Naher Osten. Wenn Du einen Ausblick wagen würdest: Wo steht dieses Land am Ende der nächsten 17 Jahre?

Das Land kann sich in eine posi­tive Rich­tung ent­wi­ckeln, die Anzei­chen sind da. Aber hierzu braucht es eine breite soli­da­ri­sche Unter­stüt­zung. Lei­der fehlt aber diese Unter­stützung aus Europa fast gänz­lich. Die Pro­bleme in die­sem Land, und im gesam­ten Nahen Osten, sind nun­mal der­art tief­ge­hend, dass man mit sehr gro­ßen Zeit­fens­tern kal­ku­lie­ren muss, wenn man ernst­hafte Ver­än­de­run­gen in Gang brin­gen will. Unsere 17-jäh­rige Arbeit hat uns gezeigt, wie lange es nach einer Dik­ta­tur dau­ern kann, bis die Men­schen eigen­ver­ant­wort­lich tätig sind. Bis gesellschaft­liche Pro­bleme wirk­lich auf den Tisch kom­men, Öko­no­mie ver­än­dert wird, usw. Eine soli­da­ri­sche Unter­stüt­zung von außen, gerade auch aus Europa, ist ent­schei­dend, um die­sem Land eine Per­spek­tive zu geben. Eine Per­spek­tive, die sich auch auf Län­der wie Iran oder Syrien aus­wir­ken muss. Ansons­ten kann kann es ebenso ins Gegen­teil umschla­gen. Wenn Isla­mis­ten und die Dik­ta­tu­ren im Nahen Osten wei­ter gestärkt wer­den, kann dem Irak eine Art „Soma­li­sie­rung“ dro­hen. Das wäre der „worst-case“ – mit kata­stro­pha­len Aus­wir­kun­gen welt­weit.

Seit der Grün­dung im Jahr 1991 unter­stütze ich nun die deut­sche Hilfs­or­ga­ni­sa­tion »wadi«. Eine Spende mei­ner dama­li­gen Agen­tur ermög­lichte bei­spiels­weise, eine Unter­schrif­ten-Kam­pa­gne gegen weib­li­che Geni­tal­ver­stüm­me­lung (FGM) im Nord­irak zu star­ten. Diese Kam­pa­gne war der­art erfolg­reich, dass dem dor­ti­gen Regio­nal­par­la­ment mitt­ler­weile eine Geset­zes­vor­lage zur Abstim­mung vor­liegt, die FGM end­gül­tig ver­bie­ten wird. Gründe genug also, die Arbeit von »wadi« vor Ort anzu­schauen.

Ori­en­ta­li­sche Gelas­sen­heit bei Rei­sen in den Nahen Osten ist hin und wie­der ange­bracht: War es im letz­ten Jahr die mas­sive Prä­senz tür­ki­scher Trup­pen an der tür­kisch-ira­ki­schen Grenze, die eine Ein­reise über Land in den kur­di­schen Nord­irak ver­ei­tel­ten – und mir so ein paar Tage Zwangs­ur­laub in Istan­bul bescher­ten – so war es dies­mal eine kasa­chi­sche Flug­li­nie, die mei­nen Besuch bei »wadi« ver­zö­gerte. Mit Tho­mas von der Osten-Sacken, einem der Grün­der von »wadi«, hatte ich ein paar Urlaubs­tage in der Süd­tür­kei ver­bracht. Nun lan­den wir zwei Tage spä­ter als gebucht, von Istan­bul kom­mend, in Sulai­ma­niyya – im Nord­os­ten des Iraks gele­gen, nahe der ira­ni­schen Grenze, und mit rund 700.000 Ein­woh­ner die fünft­größte Stadt im Irak.

Falah Muradkhin, der Pro­jekt-Koor­di­na­tor von »wadi« für den Irak, erwar­tet uns. Seine Lebens­ge­schichte ist vol­ler Tra­gik und Hoff­nung zugleich und fast sinn­bild­lich für die Geschichte die­ses Lan­des: Mit vier­zehn über­lebte er nur mit Glück Sad­dams Gift­gas-Angriff auf die nord­ira­ki­sche Stadt Hal­ab­dscha im Jahr 1988. Er rang mona­te­lang in den Ber­gen ums Über­le­ben, schlug sich danach als Ziga­ret­ten­schmugg­ler durch, stu­dierte Jura und lei­tet heute das Büro von »wadi« in Sulai­ma­niyya. Von hier aus wer­den die zahl­rei­chen Pro­jekte der deut­schen Hilfs­organisation koor­di­niert. Und hier werde ich wäh­rend mei­nes ein­wö­chi­gen Auf­ent­hal­tes unter­ge­bracht sein.

Unsere erste Tour führt durch zahl­rei­che Check­points hin­auf in das Berg­dorf Tawela. Ein paar Schritte noch und man befände sich bereits auf ira­ni­schem Boden. Wir sto­ßen auf das »Spiel­mo­bil« von »wadi«. Seit Früh­jahr die­ses Jah­res fährt der kun­ter­bunt bemalte Bus durch die Dör­fer der Hau­ra­man-Region. Ein Gebiet, das am stärks­ten von Gift­gas­an­grif­fen und Zer­stö­run­gen im Rah­men von Sad­dams soge­nann­ter »Anfal-Ope­ra­tion« betrof­fen war. Zwei Frauen und ein Mann brin­gen mit dem Bus, bestückt mit Spiel­sa­chen, etwas Abwechs­lung und Freude zu Kin­dern, für die der Begriff »Spiel­platz« ein Fremd­wort ist. Ver­wun­dert bli­cke ich auf glück­li­che Kin­der, die vor ein­fa­chen Plas­tik-Rut­schen und ein paar Lego-Stei­nen Schlange ste­hen.

Bis 2003 wütete in die­ser land­schaft­lich wun­der­schö­nen Berg­re­gion die »Ansar al-Islam« – eine, den Tali­ban ähn­liche, isla­mis­ti­sche Ter­ror­gruppe, die Frauen den Schul­besuch ver­bot und sie unter den Schleier zwang. Nach der Befrei­ung der Region durch kur­di­sche und US-ame­ri­ka­ni­sche Trup­pen konnte »wadi« auch hier eines sei­ner Frau­en­zen­tren ein­rich­ten.

Im Dorf Biara erhal­ten Frauen aus der Umge­bung nun Lese-, Sprach- und Com­pu­ter­kurse. Auch kön­nen sie an Schmink- und Fri­seur-Work­shops teil­neh­men. Das schafft Frei­räume und ermög­licht es ihnen, sogar etwas zum Fa­milieneinkommen bei­zu­tra­gen – in einer von Stam­mes-Tra­di­tion, Analpha­be­tis­mus und Islam gepräg­ten Dorf­gesellschaft eine gro­ßer Schritt nach vorn.

Die­ses Land ist unwahr­schein­lich reich an Erdöl und gehört zu den frucht­bars­ten Gebie­ten in der gesam­ten Region“ sagt Tho­mas „aber ein Groß­teil der Nah­rungs­mit­tel muss impor­tiert wer­den und für ein­fachste Kin­der­spiel­plätze ist kein Geld da.“ Man mag es kaum glau­ben. Spä­ter wird ihm der Direk­tor einer Dorf­schule erzäh­len, dass die­ser die Bas­ket­ball­körbe, die er gerade im Schul­hof auf­stel­len lässt, aus eige­ner Tasche bezahlt hat. Man müsse schließ­lich den ira­ni­schen Grenz­pos­ten, die von den Ber­gen auf sei­nen Schul­hof run­ter bli­cken kön­nen, demons­trie­ren, dass »regime change« Fort­schritt bedeu­tet.

Wir ver­las­sen die Berge in süd­öst­li­che Rich­tung. Wie­der geht es durch zahl­rei­che Check­points – wir sind noch in der so genann­ten »zone red«, einen Sek­tor, in den bei­spiels­weise die UN ihren Mit­ar­bei­tern den Zutritt ver­bie­tet – und kom­men nach Hal­ab­dscha. Eine Stadt mit mitt­ler­weile wie­der an die 50.000 Ein­woh­nern. Schlag­zei­len machte die Stadt, als Sad­dam Hus­sein sie im März 1988 zwei Tage lang mit Gift­gas bom­bar­die­ren ließ. Bis zu 5.000 Men­schen fan­den sofort einen qual­vol­len Tod, wei­tere Tau­send star­ben an den Spät­fol­gen des Angrif­fes.

Auch in Hal­ab­dscha gibt es ein von »wadi« unter­stütz­tes Frau­en­zen­trum. Seit 2007 befin­det sich darin unter ande­rem das erste Frauen-Café im kur­di­schen Nord­irak. Was bei uns in Europa nur müdes Ach­sel­zu­cken her­vor­ruft, ist hier eine abso­lute Beson­der­heit. Tee­stu­ben und Cafés gibt es zwar zuhauf im nahen Osten – jedoch aus­schließ­lich für Män­ner. Frauen bleibt die­ser wich­tige Ort der Kom­mu­ni­ka­tion ver­schlos­sen. In Hal­ab­dscha ist nun immer­hin ein Anfang gemacht, damit sich das ändern kann.

Einen Anfang machen – hier setzt auch das heute sehr erfolg­rei­che Radio »Dange Nwe« (zu deutsch: »Neue Stimme«) an. Es ist der erste unab­hän­gige Radio­sen­der im Nord­irak. Seit 2005 sen­det die von »wadi» initi­ierte und mitt­ler­weile selbst­ver­wal­tete Radio­sta­dion aus Hal­ab­dscha täg­lich ein breit­ge­fä­cher­tes Pro­gramm für Frauen und Jugend­li­che. Man muss wis­sen, dass Jugend­li­che mit 60 % den größ­ten Bevöl­ke­rungs­an­teil im Irak stel­len. In ande­ren Län­dern des Nahen Osten ist es nicht viel anders. Ein enor­mer demo­gra­phi­scher Druck, in einer Region, in der der Lebens­abschnitt »Jugend­li­cher« als Begriff nicht exis­tiert.

Zurück geht es im schöns­ten Abend­rot nach Sulai­ma­niyya. Getankt wird unter­wegs auf die ira­ki­sche Art: Zwar gibt es in den Zen­tren mitt­ler­weile auch Tank­stel­len, doch prä­gen Bret­ter­bu­den mit davor auf­ge­türm­ten, ben­zin­ge­füll­ten Plas­tik­ka­nis­tern das Bild der Straße. Fehlt der fri­sche Wind aus den Ber­gen, legt sich über die Stadt eine Abgas­glocke, die einem Frank­fur­ter Frisch­luft gewohn­ten Tou­ris­ten das Atmen erschwert. Nicht aus­zu­den­ken, wenn die hier üb­lichen 45° C im Som­mer dazu kom­men.

Sulai­ma­niyya erweist sich unüber­seh­bar als eine Boom-Town. Wie Pilze schie­ßen vie­ler­orts neue Wohn­sied­lun­gen und mehr­stö­ckige Alu­mi­nuim-Glas-Paläste aus dem Boden. Ein neuer Uni­ver­si­täts­kom­plex ent­steht am Stadt­rand, der Roh­bau eines gigan­ti­schen Kran­ken­hau­ses war­tet auf Voll­endung und der Ver­kehrs­we­ge­bau treibt ori­en­ta­lisch son­der­bare Kaprio­len. Die Innen­stadt mit ihren beleb­ten und ver­win­kel­ten Markt­gas­sen wird »saniert«: Alter Bestand wird abge­ris­sen und hier und dort fres­sen sich rie­sige Bau­gru­ben in den Boden.

Wer in den Stra­ßen der Stadt schwer­be­waff­nete US-Patrol­­lien erwar­tet, wird schwer ent­täuscht. In Sulai­ma­niyya und im gesam­ten Nord­irak sind keine US-Trup­pen mehr sta­tio­niert. Zwar prä­gen vor wich­ti­gen Gebäu­den immer noch schwere Beton-Sper­ren und bewaff­nete Wäch­ter das Bild der Stadt, ansons­ten herrscht jedoch wei­test­ge­hend Nor­ma­li­tät. Nach Jah­ren der bru­ta­len Unter­drü­ckung durch das Regime von Sad­dam Hus­sein und sei­ner Baath-Par­tei sowie dem isla­mis­ti­schen Ter­ror der »Ansar al-Islam« zeigt sich der kur­di­sche Nord­irak mitt­ler­weile poli­tisch sta­bil.

Eine fast schon bewun­derns­werte Sta­bi­li­tät. Muss man sich doch immer wie­der ver­ge­gen­wär­ti­gen, dass Sad­dams Scher­gen hier in den acht­zi­ger Jah­ren an die 4.000 Dör­fer und zehn Städte dem Erd­bo­den gleich­mach­ten. Geschätzte 180.000 Men­schen ließ das Regime ver­schwin­den, deren Lei­chen nun in zahl­rei­chen Mas­sen­grä­bern wie­der auf­tau­chen. Als sich die Kur­den 1991 von Sad­dam befreien konn­ten, lag die eins­tige Korn­kam­mer des Irak voll­kom­men danie­der. Dör­fer muss­ten wie­der auf­ge­baut und hun­dert­tau­sen­den von Men­schen, die quasi Flücht­linge im eige­nen Land waren, eine Zukunft gege­ben wer­den. Zu allem Über­fluß ent­brannte 1994 zwi­schen den bei­den gro­ßen kur­di­schen Par­teien PUK und KDP ein erbit­ter­ter Krieg um die Ein­nah­men aus dem Grenz­han­del. Der Kon­flikt fand erst 1998 in einem insta­bi­len Waf­fen­still­stand sein Ende.

Und wei­tere Pro­bleme kom­men hinzu. Nicht nur die Dik­ta­tur Sad­dams und der isla­mis­ti­sche Ter­ror haben Nar­ben hin­ter­las­sen. Auch tief­ver­wur­zelte Stam­mes-Tra­di­tio­nen, Kor­rup­tion, der Nepo­tis­mus der Par­teien, deren Unfä­hig­keit trag­fä­hige öko­no­mi­sche Struk­tu­ren zu schaf­fen sowie eine Reli­gion, die sich wie Fir­nis über die Gesell­schaft legt, machen es schwie­rig und äußerst müh­sam, not­wen­dige Ver­än­de­run­gen in Gang zu brin­gen.

Beim Abend­essen wird mir klar: Trotz aller Wid­rig­kei­ten haben die Men­schen hier etwas, was Grundvoraus­setzung für not­wen­dige Ver­än­de­run­gen ist – Frei­heit und Demo­kra­tie. So zer­brech­lich und unvoll­kom­men sie auch sein mögen. In kei­nem ande­ren Land im Nahen Osten, Israel aus­ge­nom­men, könn­ten wir in einem Restau­rant sit­zen und laut­hals Witze über die herr­schen­den Par­teien und die Reli­gion machen, ohne Angst vor staat­li­cher Will­kür haben zu müs­sen.

Spä­ter geht es dann noch ins Bow­ling­cen­ter von Sulai­maniyya. Nach der übli­chen Lei­bes­vi­si­ta­tion – isla­mis­ti­sche Sui­cide-Bom­ber ver­ste­hen nun­mal kei­nen Spass – haben wir in meh­re­ren Eta­gen Spiel­au­to­ma­ten, Bow­ling, Bil­lard oder Tisch­fuß­ball zur Aus­wahl. Wir ent­schei­den uns für Tisch­fuß­ball, ich ver­liere und ver­schütte auch noch mein teu­res korea­ni­sches Bier. Aber wir sehen Frauen ohne Kopf­tü­cher und Män­ner, die gemein­sam ein­fach nur Freude am Bow­ling haben. Auch ein Zei­chen der Hoff­nung für den Irak, denke ich. Und »wadi«, mitt­ler­weile fast die ein­zige deut­sche Hilfs­or­ga­ni­sa­tion, die die­sem Land nicht den Rücken gekehrt hat, ist es auch.