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Bereits die dritte Auszeich­nung für die → Fest­schrift »125 Jahre VDW« – nach einem Award des DDC (Deut­scher Desi­gner Club) und einem Diplom bei der Berliner Type 2016 wurde die Publi­ka­tion nun für den German Design Award 2018 nomi­niert. Der German Design Award zeichnet inno­va­tive Produkte und Projekte, ihre Hersteller und Gestalter aus, die in der deut­schen und inter­na­tio­nalen Design­land­schaft wegwei­send sind. Dies garan­tiert die hoch­ka­rätig besetzte, inter­na­tio­nale Jury. Vergeben wird der German Design Award vom Rat für Form­ge­bung, der deut­schen Marken- und Desi­gn­in­stanz. Sein Auftrag von höchster Stelle: das deut­sche Design­ge­schehen zu reprä­sen­tieren. 1953 auf Initia­tive des Deut­schen Bundes­tages als Stif­tung gegründet, unter­stützt er die Wirt­schaft dabei, konse­quent Marken­mehr­wert durch Design zu erzielen. Das macht den Rat für Form­ge­bung zu einem der welt­weit führenden Kompe­tenz­zen­tren für Kommu­ni­ka­tion und Marken­füh­rung im Bereich Design.

Die → Fest­schrift »125 Jahre VDW« für der Verein Deut­scher Werk­zeug­ma­schi­nen­fa­briken wurde beim Wett­be­werb »Gute Gestal­tung 2016« des DDC (Deut­scher Desi­gner Club) mit einem Award ausge­zeichnet. Und der Wett­be­werb Berliner Type 2016 zeich­nete die Publi­ka­tion mit einem Diplom aus.

Das hört man doch gerne: Der → Online-Geschäfts­be­richt 2015 von comdi­rect wurde bereits mit drei Awards ausge­zeichnet: Silber beim Best of Content-Marke­ting 2016-Award in der Kate­gorie »Reporting Digital«, Gold in der Kate­gorie »Inter­ac­tive« bei den ARC-Awards 2016 und Silber in der Kate­gorie »Annual Report« beim LACP-Award 2016.

Auch dieses Jahr wurden wieder die besten Geschäfts­be­richte deut­scher Fami­li­en­un­ter­nehmen durch den → Private Public Award ausge­zeichnet. Auf einer feier­li­chen Preis­ver­lei­hung in den Räumen der »Villa Orange« in Frank­furt am Main erhielt der Geschäfts­be­richt der Robert Bosch GmbH die Auszeich­nung als Gesamt­sieger. Als Mitglied der Jury durfte ich die Awards für den Sieger in der Kate­gorie »Digital« (Boehringer Ingel­heim) über­rei­chen. Zum Private Public Award erscheint ein von mir gestal­tetes → Magazin, mit allen wich­tigen Ergeb­nissen und Infos rund um das Thema Geschäfts­be­richte. Der bereits zum sechsten Mal verlie­hene Private Public Award gilt als Vergleichs­maß­stab für die inhalt­liche, sprach­liche und grafi­sche Qualität der Berichte nicht-börsen­no­tierter Fami­li­en­kon­zerne. Bei der Bewer­tung der Geschäfts­be­richte arbeitet der Initiator des Wett­be­werbs ergo Kommu­ni­ka­tion mit der Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft PKF Fasselt Schlage und Klaus Bietz \ visu­elle Kommu­ni­ka­tion zusammen.

Das hört man doch gerne: Der → Online-Geschäfts­be­richt 2014 von comdi­rect wurde bei den LACP-Awards mit Gold ausge­zeichnet. Die LACP Vision Awards werden jähr­lich von der League of American Commu­ni­ca­tions Profes­sio­nals (LACP) vergeben und sind eine renom­mierte Auszeich­nung in der inter­na­tio­nalen Finanz­be­richt­erstat­tung.

Der → Online-Geschäfts­­be­richt für die Deka-Gruppe wurde gleich doppelt nomi­niert: bei den BCP-Award 2015 für die Kate­gorie »Digital Media/Mobile« und beim Deut­schen Preis für Online­kommuni­kation 2015 für die Kate­gorie »Digi­taler Geschäfts­bericht«. Jetzt heißt es Daumen drücken.

Die Jury der PR Report Awards hat getagt und das → Magazin zum Private Public Award für die Kate­gorie »Corpo­rate Media — analog« in die Short­list des PR Report Awards 2015 gewählt. Am 16. April wird in Berlin von den nomi­nierten Arbeiten in jeder Kate­gorie des Wett­be­werbs eine Auszeich­nung verliehen. Daumen drücken.

Auch dieses Jahr wurden wieder die besten Geschäfts­be­richte deut­scher Fami­li­en­un­ter­nehmen durch den → Private Public Award ausge­zeichnet. Auf einer feier­li­chen Preis­ver­lei­hung im Lite­ra­tur­haus in Frank­furt am Main erhielt der Geschäfts­be­richt von TÜV SÜD die Auszeich­nung als Gesamt­sieger (Foto). Als Mitglied der Jury durfte ich die Awards für den Sieger in der Kate­gorie »Digital« (MANN+HUMMEL) und den Besten in der Kate­gorie »Gestal­tung« (TRUMPF) verleihen. Zum Private Public Award erscheint ein von mir gestal­tetes → Magazin mit allen wich­tigen Ergeb­nissen und Infos rund um das Thema Geschäfts­be­richte. Der bereits zum fünften Mal verlie­hene Private Public Award gilt als Vergleichs­maß­stab für die inhalt­liche, sprach­liche und grafi­sche Qualität der Berichte nicht-börsen­no­tierter Fami­li­en­kon­zerne. Bei der Bewer­tung der Geschäfts­be­richte arbeitet der Initiator des Wett­be­werbs ergo Kommu­ni­ka­tion mit der Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft PKF Fasselt Schlage und Klaus Bietz \ visu­elle Kommu­ni­ka­tion zusammen.

Der → Geschäfts­be­richt für Deka­Bank und der → Online-Geschäfts­be­richt für comdi­rect wurden bei den LACP Awards 2013 jeweils mit Silber ausge­zeichnet. Die LACP Vision Awards werden jähr­lich von der League of American Commu­ni­ca­tions Profes­sio­nals (LACP) vergeben und sind eine renom­mierte Auszeich­nung in der inter­na­tio­nalen Finanz­be­richt­erstat­tung.

Der → Geschäfts­be­richt für Heraeus wurde bei den LACP Awards 2013 mit Bronze ausge­zeichnet. Die LACP Vision Awards werden jähr­lich von der League of American Commu­ni­ca­tions Profes­sio­nals (LACP) vergeben und sind eine renom­mierte Auszeich­nung in der inter­na­tio­nalen Finanz­be­richt­erstat­tung.

Die Studie zum Geschäfts­be­richt-Award: Das frisch erschie­nene → Magazin doku­mentiert nicht nur die Ergeb­nisse des → Private Public Award sondern bietet auch sonst noch einige Infor­mationen rund um das Thema Reporting.

Die zweite Auszeich­nung für den aktu­ellen → Geschäfts­be­richt der Deka­Bank: neben Silber bei den LACP-Awards erhält der Bericht Bronze bei den ARC-Awards 2012 (Annual Report Compe­ti­tion).

Gleich ein Doppel­schlag: Silber bei den LACP Awards 2012 gab es für den → Geschäfts­be­richt von Comdi­rect und den → Geschäfts­be­richt für Deka­Bank. Die LACP Vision Awards werden jähr­lich von der League of American Commu­ni­ca­tions Profes­sio­nals (LACP) vergeben und sind eine renom­mierte Auszeich­nung in der inter­na­tio­nalen Finanz­be­richt­erstat­tung.

Am 15.11. wurden im »Frank­furter Hof« die dies­jäh­rigen Preise des → Private Public Award verliehen. Bereits zum dritten Mal zeichnet der Wett­be­werb die besten Geschäfts­be­richte deut­scher Fami­lien- oder Stif­tungs­un­ter­nehmen aus. Gesamt­sieger wurde der Bericht von B. Braun Mels­ungen AG. Auf dem zweiten und dritten Platz folgten die Berichte von Franz Haniel & Cie. GmbH und der Otto GmbH & Co KG. Der erst­mals verlie­hene Sonder­preis »Bester Nach­hal­tig­keits­be­richt« ging an die Oetker-Gruppe. Als Jury­mit­glied für das Segment Gestal­tung durfte ich den Preis »Beste Gestal­tung« an die Heraus Holding GmbH über­rei­chen.

Geschafft: Nach fast zwei Jahren war es an der Zeit, die Website einem gründ­li­chen Relaunch zu unter­ziehen. Heute ist sie nun endlich online – mit einer aktua­li­sierten Struktur, klarer Tren­nung zwischen News und Projekt­dar­stel­lungen und ganz ohne Flash-Anwen­dungen… Viel Spaß.

Auch dieses Jahr wurde der → Geschäfts­be­richt der Comdi­rect Bank wieder bei den LACP-Awards ausge­zeichnet. Nach Bronze im letzten Jahr gab es diesmal eine Silber­me­daille. Demnach müßte es, nach den Regeln der Wahr­schein­lich­keits­rech­nung, im nächstes Jahr Gold geben – wir arbeiten dran. Die LACP Vision Awards werden jähr­lich von der League of American Commu­ni­ca­tions Profes­sio­nals (LACP) vergeben und sind eine renom­mierte Auszeich­nung in der inter­na­tio­nalen Finanz­be­richt­erstat­tung.

Am 5. Oktober 2010 wurden in Frank­furt die Preise des → Private Public Award verliehen. Bereits zum zweiten Mal zeichnet der Wettb­werb die besten Geschäfts­be­richte deut­scher Fami­lien- und Stif­tungs­un­ter­nehmen aus. Als Mitglied der Jury durfte ich auch dieses Jahr wieder die Laudatio auf den Sieger in der Kate­gorie »Gestal­tung« halten.

Dieser Preis ging diesmal an die Heraeus Holding, während das Unter­nehmen Franz Haniel & Cie als Gesamt­sieger glänzen konnte. Weitere Preise gingen an die Otto Group, B.Braun Mels­ungen und Wilo SE. Aus der Pres­se­mit­tei­lung des Initia­tors ergo Kommu­ni­ka­tion: » … Das Format hat sich binnen kürzester Zeit als Vergleichs­maß­stab für die inhalt­liche, sprach­liche und grafi­sche Qualität der Berichte nicht börsen­no­tierter Fami­li­en­kon­zerne etabliert. Bei der Bewer­tung der Geschäfts­be­richte anhand von über 90 Krite­rien arbeitet ergo eng mit der Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft PKF Fasselt Schlage und dem Desi­gner Klaus Bietz zusammen. In der Jury sind ferner die Morgan Stanley Bank, Roland Berger Stra­tegy Consul­tants und die Zeppelin Univer­sität vertreten …«

Zum Wett­be­werb ist eine umfang­reiche Studie erschienen.

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Laudatio auf den Geschäfts­be­richt der Heraeus Holding, Sieger in der Kate­gorie »Gestal­tung« (Foto: ergo Kommu­ni­ka­tion)

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Die Preis­träger und die Lauda­toren (v.l.n.r.): Klaus Bietz, Thilo Breider (Agentur 3st), Janina Fichte (Heraeus Holding), Dr. Lutz Raettig (Aufsichts­rats­vor­sit­zender Morgan Stanley Bank AG, Jury­mit­glied und Laudator) Foto: ergo Kommu­ni­ka­tion

Seit 2008 haben mich drei Reisen in den kurdi­schen Nord­irak geführt, um die dortige Arbeit der Hilfs­or­ga­ni­sa­tion »wadi« zu unter­stützen. Hier gehts zu einer → Foto­re­por­tage über ein Land, von dem wir oft ein allzu einsei­tiges Bild haben.

Der Geschäfts­be­richt 2009 der Comdi­rect Bank wurde bei den LACP-Awards mit Bronze ausge­zeichnet. Die LACP Vision Awards werden jähr­lich von der League of American Commu­ni­ca­tions Profes­sio­nals (LACP) vergeben und sind eine renom­mierte Auszeich­nung in der inter­na­tio­nalen Finanz­be­richt­erstat­tung.

Ende 2009 war ich erneut im Nord­irak, um die Arbeit Hilfs­or­ga­ni­sa­tion »wadi« zu unter­stützen. Ein Ergebnis davon war eine Bild/­Text-Repor­tage über die Hilfs­pro­jekte in Halabja, die im jähr­li­chen Rund­brief von »wadi« erschien.

Ein Tag in Halabja

Halabja – die Stadt im Nord­osten des Iraks, nahe der irani­schen Grenze gelegen, stand einmal kurz im Zentrum der Welt­öf­fent­lich­keit: vor mitt­ler­weile 21 Jahren ließ Saddam Hussein die Stadt mit Giftgas bombar­dieren. 5.000 Menschen starben damals sofort, Tausende später, und noch heute leiden hier Menschen unter den Spät­folgen. Massen­gräber und ein weithin sicht­bares Mahnmal sind die stei­nernen Zeugen dieser schreck­li­chen Vergan­gen­heit.

Doch ich bin mit der deut­schen Hilfs­or­ga­ni­sa­tion WADI auf dem Weg, um die Zukunft von Halabja kennen zu lernen. Ich will wissen: Wie gelingt es einer derart geschun­denen Region, sich vom Horror der Vergan­gen­heit zu befreien. Unter­wegs treffen wir den mit Kinder­zeich­nungen bemalten Spielbus von WADI. Seit nunmehr fast zwei Jahren fährt der etwas alters­schwache Bus durch die Hauraman-Region und macht Station in Dörfern, in denen Spiel­plätze für Kinder unbe­kannt sind.

Vier Tage in der Woche sind Kosralan Abu Baker, der Fahrer sowie Hero Waqel, eine Erzie­herin und Shnur Karemm, eine Kranken­schwester mit dem Spielbus in den abge­schie­denen und trost­losen Dörfern unter­wegs. in Gegenden, in denen es oft noch immer an Infra­struktur und medi­zi­ni­scher Versor­gung fehlt.

Unzäh­lige Dörfer in dieser Region wurden im Rahmen von Saddams soge­nannter »Anfal«-Kampagne mit Giftgas bombar­diert und dem Erdboden gleichge­macht. Viele Menschen leiden immer noch unter physi­schen und/oder psychi­schen Spät­folgen. Neuge­bo­rene weisen häufig Miss­bil­dungen auf und die Leuk­ämie­rate ist deut­lich höher als normal. Unbe­schwerten Spaß zu haben, ist hier für Kinder immer noch eine Selten­heit und der Spielbus oft die einzige Attrak­tion in ihrem tristen Alltag.

In Halabja ange­kommen, besu­chen wir den Radio­sender »Dange Nwe« – zu deutsch: »Neue Stimme«. Schon von weitem ist der hohe Sende­mast zu erkennen. Im Jahr 2005 initi­iert von WADI, ist Radio »Dange Nwe« bis heute der einzige unab­hän­gige Radio­sender im Irak. Er bietet vorwie­gend ein Programm für Frauen und Jugend­liche. Talk­shows, Nach­rich­ten­sen­dungen, selbst produ­zierte Doku­men­ta­tionen haben ebenso ihren Platz, wie regio­nale und inter­na­tio­nale Musik oder Roman­le­sungen. Das Radio ermu­tigt seine Hörer mitzu­ma­chen: diese rufen an, sagen ihre Meinung und spre­chen offen Pro­bleme und Mißstände an. Acht Mitar­beiter, davon fünf Frauen, sind eigen­ver­ant­wort­lich für das Radio. Fast alle sind in Flücht­lings­la­gern aufge­wachsen, keiner hat eine jour­na­lis­ti­sche Ausbil­dung.

Zum Mittag­essen sind wir ins Frau­en­zen­trum von Halabja einge­laden. Den übli­chen Tee gibt es ein Stock­werk höher im Frau­en­café, welches 2007, als erstes Frau­en­café im kur­dischen Nord­irak, eröffnet werden konnte. Ein wich­tiges Novum, da Cafés ansonsten nur Männern zugäng­lich sind und Frauen in Halabja keine Möglich­keit hatten sich unge­stört zu treffen. Das Frau­en­zen­trum verwaltet sich mitt­ler­weile selbst und wird, wie alle WADI-Projekte im Raum Halabja von der Stif­tung »Green Cross« unter­stützt. Während am Tisch gegen­über gerade die erste Selbst­hil­fe­gruppe für geni­tal­ver­stüm­melte Frauen gegründet wird, treffen auch schon die ersten Frauen für die zahl­reichen Kurse und Veran­stal­tungen ein, die hier ange­boten werden. Viele Frauen hatten nie die Chance, Schreiben und Lesen zu lernen. Jetzt haben sie die Möglich­keit – und diese wird gerne wahr­ge­nommen. Das Zentrum bietet weiterhin medi­zi­ni­sche und juris­ti­sche Beratungs­dienste sowie berufs­qualifizierende Kurse und Semi­nare an.

Viele Frauen tragen noch Kopf­tuch. Ob aus Tradi­tion oder aus reli­giöser Über­zeugung? Ich habe vergessen zu fragen. Im Ver­gleich zum letzten Jahr sehe ich jeden­falls nun auch in den Straßen von Halabja junge Frauen west­lich ge­kleidet und ohne Kopf­tuch. Vor Jahren wären sie dafür noch umge­bracht worden. Wir machen noch eine kurze Zwischen­sta­tion am Mahnmal für die Gift­gasopfer in Halabja und dann geht es zurück nach Sule­ma­niyah. Die Zeiten ändern sich.

Zum → Private Public Award 2009 gerade erschienen: 80 Seiten geballte Infor­ma­tionen zum Thema Geschäfts­be­richte von deut­schen Fami­lien- und Stif­tungs­un­ter­nehmen, inkl. einem Beitrag von mir zum Thema Gestal­tung von Geschäfts­be­richten:

Das Design von Geschäfts­be­richten – ein Balan­ceakt

Umschläge mit mehreren Innen­klappen, verschie­dene Bedruck­stoffe, Sonder­farben, Blind- und Heiß­fo­li­en­prä­gung oder einge­legte Produkt­über­sichten, ausklapp­bare Innen­seiten oder Klebe-, Faden- und Spiral­bin­dung, als Schweizer Broschur oder sogar in Buch­form … der Fantasie bei der Gestal­tung von Geschäfts­be­richten von Fami­lien- und Stif­tungs­un­ter­nehmen scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein. Die Grenzen werden aber dann offen­sicht­lich, wenn die Gestal­tung den Inhalt über­la­gert oder nur dazu dient, vor dürf­tigen Inhalten eine impo­sante Fassade zu stellen. In diesem Fall verfehlt der Geschäfts­be­richt seine Funk­tion als ein zentrales Kommu­ni­ka­ti­ons­mittel von Unter­nehmen in Fami­lien- oder Stif­tungs­be­sitz.

Der Geschäfts­be­richt muss in Text, Grafik und Mate­ria­lität (Papier, Druck, Verar­bei­tung) die Werte eines Unter­neh­mens kommu­ni­zieren und kann wie keine andere Publi­ka­tion auch eine Unter­neh­mens­stra­tegie visua­li­sieren. Damit wird er zu einem wich­tigen Image­träger des Unter­neh­mens. Aber um seiner Funk­tion gerecht werden zu können, muss er glaub­würdig sein – sowohl beim Inhalt als auch in seiner Gestal­tung. Denn Gestal­tung ist kein Selbst­zweck, sondern dient dazu, Inhalte durch visu­elle Kommu­ni­ka­tion zu struk­tu­rieren und zu emotio­na­li­sieren. Mit dem Ziel, dem Empfänger den Zugang zu diesen Inhalten zu erleich­tern und ihn die Iden­tität eines Unter­nehmen spürbar werden zu lassen.

Das beginnt bei dem ersten Eindruck, den ein Geschäfts­be­richt beim Leser hinter­lässt, sobald er den Bericht zur Hand nimmt. Ein außer­ge­wöhn­li­ches Format abseits des klas­si­schen DIN A4 erregt die Aufmerk­sam­keit, kann aller­dings auch, aufgrund der Abwei­chung vom Stan­dard­format, höhere Erwar­tungen an die Gestal­tung des gesamten Geschäfts­be­richts wecken. Zudem hat das DIN-A4-Format auch Vorteile – wenn z.B. alle anderen Broschüren des Unter­neh­mens dieses Format haben und die Versand­lo­gistik darauf abge­stimmt ist. Auch die Menge des beim Druck anfal­lenden Papier­ab­falls kann ein Gesichts­punkt sein, den es zu berück­sich­tigen gilt.

Für die Kommu­ni­ka­tion mit dem Leser mit Hilfe des Geschäfts­be­richts spielt das Layout – also das Zusam­men­spiel einzelner Elemente wie Format, Text, Farben, Bilder, Grafiken und Tabellen – eine entschei­dende Rolle. Dieses Layout basiert auf einem Gestal­tungs­raster. Das Raster ermög­licht es dem Gestalter, dem Bericht eine visu­elle Struktur zu geben, indem es die beiden Antago­nismen Ordnung und Krea­ti­vität in eine Syste­matik einbindet. Das erfor­dert viel Finger­spit­zen­ge­fühl, denn wird hier an den Stell­schrauben falsch gedreht, dann kann der Bericht entweder lang­weilig geraten oder ins „krea­tive Chaos“ abgleiten.

Text­ko­lonnen mit Währungs­zei­chen und Auszeich­nungen, Auflis­tungen, Tabellen, Info­gra­fiken usw. – wohl keine andere Publi­ka­tion stellt derart hohe Anfor­de­rungen an den Faktor Schrift wie ein Geschäfts­be­richt. Die Wahl der rich­tigen Typo­grafie – der Schrift und deren Anwen­dungs­me­tho­diken wie Schrift­größe, Satz­spiegel oder Satzart – ist ein entschei­dendes Krite­rium für dessen Lesbar­keit. Und gute Typo­grafie schmei­chelt Auge und Inhalt zugleich, sie ist Infor­ma­tions- und Image­träger. Diese Doppel­funk­tion macht die Typo­grafie zu einer der zentralen Säulen für die über­zeu­gende Gestal­tung eines Geschäfts­be­richts – zugleich aber auch zu einer der größten Heraus­for­de­rungen. Denn trotz 6000 Jahre Schrift­ge­schichte: Die opti­male Schrift gibt es nicht. Eine gut lesbare Schrift kann, falsch einge­setzt, mise­rable Ergeb­nisse liefern und einen hervor­ra­genden Inhalt konter­ka­rieren während eine exzel­lente Gestal­tung auch mit einer vermeint­lich schlecht lesbaren Schrift über­zeu­gende Resul­tate liefern kann.

Diese heraus­ra­gende Bedeu­tung der Typo­grafie zeigt sich auch bei Tabellen. Gerade weil bei ihnen der Gestal­tungs­spiel­raum begrenzt scheint, sind sie eine gestal­te­ri­sche Heraus­for­de­rung. Auch hier gibt es keine Stan­dards, aber Krite­rien der Lesbar­keit und der Syste­matik, die es zu beachten gilt.

Kein Geschäfts­be­richt ohne Infor­ma­ti­ons­gra­fiken – denn sie ermög­li­chen dem Leser,das schnelle Erfassen komplexer Zusam­men­hänge und eröffnen dem Gestalter die Möglich­keit, für das Unter­nehmen einpräg­same visu­elle Eckpunkte im Geschäfts­be­richt zu setzen. Eindeu­tig­keit und Klar­heit der Infor­ma­ti­ons­ver­mitt­lung stehen dabei an erster Stelle, was aber nicht Gleich­för­mig­keit und Lange­weile bedeuten darf. Wenn der Gestalter um die Anfor­de­rungen einer gut lesbaren Infor­ma­ti­ons­grafik weiß, so bieten sich ihm eine Menge Möglich­keiten, um aus einem einfa­chen Diagramm auch einen Image­träger zu machen.

Das gilt auch für den Einsatz von Bildern. War früher das Vorstands­foto oft die einzige Foto­grafie, die extra für den Geschäfts­be­richt ange­fer­tigt wurde und man sich ansonsten aus dem Archiv bediente, so ist ein profes­sio­nelles Bild­kon­zept mitt­ler­weile unum­gäng­lich. Ob durch­ge­hend einheit­liche Bild­sprache oder Patch­work – das Konzept und die Authen­ti­zität ist entschei­dend. Dauer­g­rin­sende Foto­mo­delle mit Telefon in der Hand oder bedeu­tungs­schwan­gere Meta­phern wie Brücken sind zwar bei Bild­agen­turen schnell besorgt, aber der Glaub­wür­dig­keits-Faktor solcher Bilder geht gegen null. Viele Produkt­fotos bergen die Gefahr, aus dem Geschäfts­be­richt tenden­ziell eine Produkt­bro­schüre zu machen, und eine Bild­strecke mit den schönsten Ansichten der Unter­neh­mens­zen­trale ist noch lange kein Bild­kon­zept. Foto­grafie ist als Image­träger zu wichtig, als das man sie auf die Funk­tion der visu­ellen Auflo­cke­rung redu­zieren darf. Ein intel­li­gentes Bild­kon­zept und deren profes­sio­nelle Umset­zung ist ein zentraler Bestand­teil eines Geschäfts­be­richts – wobei der Begriff „Bild“ nicht nur auf die Foto­grafie beschränkt sein darf; auch Illus­tra­tionen können ein span­nendes Bild­kon­zept ergeben.

Um seiner Funk­tion als Image­träger des Unter­neh­mens erfüllen zu können, muss sich ein Geschäfts­be­richt in das Corpo­rate Design einer Fami­lien- oder Stif­tungs­ge­sell­schaft einfügen. Oder viel­leicht doch nicht? Bei der Bezie­hungs­frage zwischen Geschäfts­be­richt und Corpo­rate Design gibt es zwei Lager: Für die einen ist das Corpo­rate Design verbind­liche Grund­lage für die Erstel­lung aller Unter­neh­mens­pu­bli­ka­tionen, fast schon mit dem Charakter eines unum­stöß­li­chen Gesetzes. Die Unter­ord­nung des Geschäfts­be­richts unter diesen Regeln bedeutet oftmals ein in Stein gemei­ßeltes Gestal­tungs­raster – obgleich dieses Raster eigent­lich für Produkt­bro­schüren o.ä. gedacht ist – sowie eine unpas­sende Typo­grafie und vorge­fer­tigte Bild­welten. Diesem Konflikt fällt dann leider nur allzu oft die gestal­te­ri­sche und somit die kommu­ni­ka­tive Qualität des Berichts zum Opfer. Das andere Lager dagegen postu­liert die gestal­te­ri­sche Frei­heit nach dem Motto „Wir machen schließ­lich einen GESCHÄFTSBERICHT, da dürfen uns doch die Fesseln des Corpo­rate Design nicht einengen“. Das kann aller­dings zur Folge haben, dass der Geschäfts­be­richt zwar ein krea­tives Meis­ter­werk wird, aber keinerlei visu­elle Bezüge zum Unter­nehmen zeigt – und damit eben­falls als Image­träger versagt. Mitt­ler­weile gesellt sich noch ein drittes Lager hinzu. Das profi­tiert von den Schwä­chen der beiden anderen und klam­mert sich an ein neues Rezept Ein für alle Unter­nehmen gültiges „Geschäfts­be­richt Corpo­rate Design“: univer­selle Stan­dards für Typo­gra­phie, Gestal­tungs­raster und Layout-Syste­matik bis hin zur buch­bin­de­ri­schen Verar­bei­tung.

Richtig ist: Das Corpo­rate Design eines Unter­neh­mens kann nicht gänz­lich außen vor gelassen werden, da der Geschäfts­be­richt zentraler Bestand­teil des visu­ellen Erschei­nungs­bild eines Unter­neh­mens ist. Richtig ist aber auch: Gestal­te­ri­sche Frei­heiten sind notwendig, da der Geschäfts­be­richt inner­halb der Unter­neh­mens­pu­bli­ka­tionen inhalt­lich und formal eine Sonder­stel­lung einnimmt, die von einem Corpo­rate Design kaum voll­ständig berück­sich­tigt werden kann. Und: Es gibt gewiss Stan­dards, die bei der Gestal­tung von Geschäfts­be­richten hilf­reich sind. Aber sie dürfen kein Dogma sein, sonst läuft das Fami­lien- oder Stif­tungs­un­ter­nehmen Gefahr, austausch­bare Kopien auf hohem Niveau zu erzeugen – und seine Chance unge­nutzt verstrei­chen zu lassen, den Geschäfts­be­richt als glaub­wür­diges Kommu­ni­ka­ti­ons­in­stru­ment erfolg­reich einzu­setzen.

Am 26. Oktober 2009 wurden in Frank­furt die Preise des → Private Public Award verliehen. Der Wettb­werb kürt die besten Geschäfts­be­richte deut­scher Fami­lien- und Stif­tungs­un­ter­nehmen aus. Ich durfte als Mitglied der Jury die Laudatio auf den Sieger in der Kate­gorie »Gestal­tung« halten.

Hinter dem Private Public Award steht die inha­ber­ge­führte Kommu­ni­ka­ti­ons­be­ra­tung ergo gemeinsam mit der Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft PKF Fasselt Schlage Lang und Stolz. Unter­stützt werden sie von renom­mierten Part­nern wie der Morgan Stanley Bank und Roland Berger Stra­tegy Consul­tants, die auch in der Jury vertreten sind. Das Urteil beruhte auf einem mehr als 70 Quali­täts­merk­male umfas­senden Krite­ri­en­ka­talog zu Inhalt, Struktur und Sprache sowie Gestal­tung und Nutzer­freund­lich­keit der Geschäfts­be­richte. Damit liegt erst­mals ein Format für die maßge­schnei­derte Bewer­tung von Geschäfts­be­richten vor, das sich auf nicht börsen­no­tierte Unter­nehmen in Fami­lien- und Stif­tungs­be­sitz fokus­siert. Die Ergeb­nisse aus der Geschäfts­be­richts-Analyse und einer beglei­tenden Umfrage sind in der groß ange­legten Studie „Aus guter Familie“ (PDF 794 KB) aufbe­reitet.

Demnach reicht die Band­breite der unter­suchten Geschäfts­be­richte von Kata­log­stärke bis zum dünnen Heft­chen, vom puris­ti­schen Finanz­be­richt bis zum Messe­stand im Print­format. Der Trend zur wert­ori­en­tierten Bericht­erstat­tung – bei Börsen­werten längst Stan­dard – hat sich noch keines­wegs flächen­de­ckend durch­ge­setzt. Inter­es­sant auch: Mit den Vorteilen, die eine stabile Eigen­tü­mer­struktur gerade in der Finanz­markt­krise mit sich bringt, gehen längst nicht alle Fami­lien- und Stif­tungs­un­ter­nehmen offensiv um. Dafür wird in Progno­se­be­richten häufig Klar­text geredet, weil keine Rück­sicht auf den Akti­en­kurs genommen werden muss.

Die Adolf Würth-Gruppe hat den besten Geschäfts­be­richt 2008 aus der Gruppe der 240 größten, nicht börsen­no­tierten Fami­lien- und Stif­tungs­un­ter­nehmen Deutsch­lands vorge­legt. Beim erst­mals ausge­lobten private publ!c Award erreichte das Unter­nehmen aus Künzelsau über 80 % der Höchst­punkt­zahl. Platz zwei belegt der Bericht des Land­ma­schi­nen­bauers CLAAS, während sich Gies­ecke & Devrient den dritten Platz sichern konnten. Daneben wurden Auszeich­nungen für die beste Sprache (Voith), die beste Gestal­tung (Marquard & Bahls) sowie die beste Corpo­rate Gover­nance-Kommu­ni­ka­tion (Delton) vergeben.

Zusammen mit Dr. Martin Fasselt (PKF), Torsten Oltmanns (Roland Berger), Dr. Katrin Stefan (Zeppelin Univer­sität) und Andreas Martin (ergo Kommu­ni­ka­tion) bin ich Jury-Mitglied des → Private Public Award. Der Wett­be­werb wird die besten Geschäfts­be­richte von deut­schen Fami­lien- und Stif­tungs­un­ter­nehmen auszeichnen.

Thomas von der Osten-Sacken ist Grün­dungs­mit­glied der Hilfs­or­ga­ni­sa­tion »wadi«. Daneben ist er Publi­zist, schreibt u.a. für »Die Welt« und für »Jungle World«, und ein gefragter Experte zu den Themen Irak und Naher Osten. Während meines Aufent­halts im kurdi­schen Nord­irak habe ich ein Inter­view mit ihm geführt.

Seit 1991 ist »wadi« nun im Irak tätig. Wie kam es eigent­lich zur Grün­dung eurer Hilfs­or­ga­ni­sa­tion?

»wadi« wurde gegründet von Leuten, die 1991, unmit­telbar nach dem zweiten Golf­krieg, in den verschie­densten Hilfs­pro­jekten im Irak gear­beitet haben. Ich war einer davon. Ich habe acht Monate im Südirak in einem Nothillfs­pro­jekt gear­beitet und dabei das Land, und vor allem auch die Diktatur Saddam Husseins, kennen­ge­lernt. Die Menschen dort im Südirak gaben uns den Rat, in den Norden, also in das damals schon befreite irakisch-Kurdi­stan, zu gehen. Daraufhin haben wir Ende 1991 »wadi« gegründet und 1993 mit unserer Arbeit in der Region ange­fangen.

Wie hat sich eure Arbeit im Laufe der Zeit entwi­ckelt?

Schon von Beginn an war uns klar, dass wir einen Schwer­punkt auf soziale Projekte legen wollen. Also Projekte, die lang­fristig auch gesell­schaft­liche Verän­de­rungen voran­treiben. Aller­dings waren die Voraus­set­zungen zu dieser Zeit alles andere als ideal: im Nord­irak, als auch im gesamten Land, herrschte ziem­li­ches Chaos. Die Not im Land war derart groß, dass wir mehr auf kurz­fris­tige Hilfe setzen mussten. Aber im Laufe der Zeit haben sich dann doch unsere Schwer­punkte heraus­kris­tal­li­siert: also die Unter­stüt­zung von Projekten für Frauen und Jugend­liche oder von Gefan­genen- und Flücht­lings­pro­jekten. Vor allem ab 2003, nach dem Sturz von Saddam Hussein, hat sich die Lage in der Region soweit stabi­li­siert, das wir endlich auch Projekte angehen konnten, die eher lang­fristig ange­legt sind.

»wadi« hat mitt­ler­weile zahl­reiche Mitar­beiter, die in den verschie­densten Projekten tätig sind. Wie sieht eure Mitar­beiter-Struktur aus und welche Leute arbeiten für »wadi«?

Momentan sind etwas über sechzig Leute in den einzelnen Projekten tätig. Da wir großen Wert darauf legen, dass unsere Orga­ni­sa­tion die dortigen gesell­schaft­li­chen Struk­turen wieder­spie­gelt, sind es viele Frauen und viele sehr junge Menschen, die für uns arbeiten. Man muss sich immer wieder klar machen, dass im Nahen Osten etwa 60% der Leute unter 25 sind, aber in den dortigen Orga­ni­sa­tionen und Insti­tu­tionen ein Alters­durch­schnitt von 40 bis 50 vorherrscht. Unser Ziel ist es, den Leuten bei uns zu helfen, neue und eigene Wege zu gehen. Da sind uns Univer­si­täts­ab­schlüsse usw. nicht so wichtig, sondern entschei­dend ist, dass die Leute enga­giert sind. Damit haben wir die besten Erfah­rungen gemacht. Die Radio­sta­tion in Halab­dscha, wo Du ja auch warst, ist hierfür ein gutes Beispiel: Viele der Leute dort sind in Flücht­lings­la­gern groß geworden, hatten noch nicht mal die Möglich­keit für eine ordent­liche Schul­aus­bil­dung und trotzdem managen sie jetzt selbst­ver­ant­wort­lich eine ganze Radio­sta­tion. Das bedeutet auch, dass die Leute am Anfang Fehler machen müssen. Wir erwarten also am Beginn keines­wegs eine perfekte Arbeit. Wir können aber dafür mit sehr flachen Hier­ar­chien arbeiten und, was ganz wichtig ist, die Leute entwi­ckeln im Laufe der Zeit ein hohes Maß an Krea­ti­vität und Eigen­ver­ant­wor­tung.

Betreut ihr nur Projekte im kurdi­schen Nord­irak oder seit ihr auch in anderen Regionen tätig?

Wir unter­stützen ein Commu­nity-Radio für Frauen und Jugend­liche in Jorda­nien und beraten nicht­staat­liche syri­sche Orga­ni­sa­tionen. Außerdem haben wir früher Projekte in Israel, vor allem in der arabisch-israe­li­schen Commu­nity, unter­stützt. Und natür­lich sind wir auch in Deutsch­land aktiv: zum einen in der Flücht­lings­ar­beit und zum anderen bei der Unter­stüt­zung der demo­kra­ti­scher Oppo­si­tion aus dem Nahen Osten, vor allem aus Syrien und dem Iran.

Im letzten Jahr star­tete »wadi« im kurdi­schen Nord­irak eine Kampagne gegen FGM, also der Geni­tal­ver­stüm­me­lung bei Mädchen und Frauen, und das mit großem Erfolg. Wie ist der Stand der Dinge?

Erstaun­lich gut. Die Frau­en­frage ist momentan das zentrale Thema im kurdi­schen Parla­ment – nicht zuletzt wegen unserer Kampagne. Es wurde sehr kontro­vers über eine Verän­de­rung des Zivil­straf­rechts disku­tiert, mit dem Ergebnis, dass nun ein Gesetz im Regio­nal­par­la­ment verab­schiedet werden soll, das weib­liche Geni­tal­ver­stüm­me­lung unter Strafe stellen wird. Gerade in den letzten Wochen wurde von Parla­ments­ab­ge­ord­neten, aber auch von Vertre­tern der Regie­rung, Geni­tal­ver­stüm­me­lung bei Mädchen und Frauen in den Medien stark thema­ti­siert. So ist in den verschie­denen kurdi­schen Fern­seh­sta­tionen sehr viel da­rüber berichtet worden. Wir sind sehr opti­mis­tisch, dass das Gesetz kommt und damit zum ersten Mal eine Regie­rung in dieser Region, östlich des Suez-Kanals, die Exis­tenz dieses Problems aner­kannt hat.

Hilfs­pro­jekte kosten Geld. Wie werden eure einzelnen Projekte finan­ziert?

Wir werden fast ausschließ­lich von nicht­staat­li­chen Orga­ni­sa­tionen und Stif­tungen aus aller Welt unter­stützt. Wir haben Geld­geber in den USA, in der Schweiz, in Öster­reich und in Frank­reich. Aber relativ wenig Unter­stüt­zung aus Deutsch­land. Das mag daran liegen, dass für viele in Deutsch­land unsere Arbeits­weise im Irak unge­wohnt ist. Aber auch daran, dass staat­liche Stellen in Deutsch­land kein großes Inter­esse daran haben, in dieser Region aktiv zu werden und uns gegen­über auch sehr reser­viert sind. Und zwar deshalb, weil wir immer, auch 2003, auf der Seite der demo­kra­ti­schen iraki­schen Oppo­si­tion und der iraki­schen Kurden standen. Für uns war der Sturz Saddam Husseins Prio­rität.

Welche Projekte benö­tigen am drin­gensten finan­zi­elle Unter­stüt­zung?

Aktuell benö­tigt unsere Kampagne gegen Geni­tal­ver­stüm­me­lung drin­gend finan­zi­elle Unter­stüt­zung. Und dann gibt es noch Projekte, die quasi in der Schub­lade liegen, aber nicht gestartet werden können, weil wir keine Finan­zie­rung dafür haben. Seitdem unsere Radio­sta­tion in Halab­dscha läuft, kommen beispiels­weise immer wieder Leute auf uns zu, die ein ähnli­ches Projekt mit uns reali­sieren möchten. So haben wir seit fast zwei Jahren ein Radio­pro­jekt in Planung, das ein drei­spra­chiges Programm in kurdisch, arabisch und turk­me­nisch senden soll…

…aber trotz kleinem Budget arbeitet ihr sehr erfolg­reich?

Ja, wir sind in der Region momentan die Hilfs­or­ga­ni­sa­tionen mit den meisten Projekten. Aber wir sind dazu gezwungen, jeden Dollar mehr­mals umzu­drehen und sind auf jede noch so kleine Spende ange­wiesen.

Du bist jetzt seit 17 Jahren im Irak tätig und mitt­ler­weile ja auch ein gefragter Experte zum Thema Irak und Naher Osten. Wenn Du einen Ausblick wagen würdest: Wo steht dieses Land am Ende der nächsten 17 Jahre?

Das Land kann sich in eine posi­tive Rich­tung entwi­ckeln, die Anzei­chen sind da. Aber hierzu braucht es eine breite soli­da­ri­sche Unter­stüt­zung. Leider fehlt aber diese Unter­stützung aus Europa fast gänz­lich. Die Probleme in diesem Land, und im gesamten Nahen Osten, sind nunmal derart tief­ge­hend, dass man mit sehr großen Zeit­fens­tern kalku­lieren muss, wenn man ernst­hafte Verän­de­rungen in Gang bringen will. Unsere 17-jährige Arbeit hat uns gezeigt, wie lange es nach einer Diktatur dauern kann, bis die Menschen eigen­ver­ant­wort­lich tätig sind. Bis gesellschaft­liche Probleme wirk­lich auf den Tisch kommen, Ökonomie verän­dert wird, usw. Eine soli­da­ri­sche Unter­stüt­zung von außen, gerade auch aus Europa, ist entschei­dend, um diesem Land eine Perspek­tive zu geben. Eine Perspek­tive, die sich auch auf Länder wie Iran oder Syrien auswirken muss. Ansonsten kann kann es ebenso ins Gegen­teil umschlagen. Wenn Isla­misten und die Dikta­turen im Nahen Osten weiter gestärkt werden, kann dem Irak eine Art „Soma­li­sie­rung“ drohen. Das wäre der „worst-case“ – mit kata­stro­phalen Auswir­kungen welt­weit.

Seit der Grün­dung im Jahr 1991 unter­stütze ich nun die deut­sche Hilfs­or­ga­ni­sa­tion »wadi«. Eine Spende meiner dama­ligen Agentur ermög­lichte beispiels­weise, eine Unter­schriften-Kampagne gegen weib­liche Geni­tal­ver­stüm­me­lung (FGM) im Nord­irak zu starten. Diese Kampagne war derart erfolg­reich, dass dem dortigen Regio­nal­par­la­ment mitt­ler­weile eine Geset­zes­vor­lage zur Abstim­mung vorliegt, die FGM endgültig verbieten wird. Gründe genug also, die Arbeit von »wadi« vor Ort anzu­schauen.

Orien­ta­li­sche Gelas­sen­heit bei Reisen in den Nahen Osten ist hin und wieder ange­bracht: War es im letzten Jahr die massive Präsenz türki­scher Truppen an der türkisch-iraki­schen Grenze, die eine Einreise über Land in den kurdi­schen Nord­irak verei­telten – und mir so ein paar Tage Zwangs­ur­laub in Istanbul bescherten – so war es diesmal eine kasa­chi­sche Flug­linie, die meinen Besuch bei »wadi« verzö­gerte. Mit Thomas von der Osten-Sacken, einem der Gründer von »wadi«, hatte ich ein paar Urlaubs­tage in der Südtürkei verbracht. Nun landen wir zwei Tage später als gebucht, von Istanbul kommend, in Sulai­ma­niyya – im Nord­osten des Iraks gelegen, nahe der irani­schen Grenze, und mit rund 700.000 Einwohner die fünft­größte Stadt im Irak.

Falah Muradkhin, der Projekt-Koor­di­nator von »wadi« für den Irak, erwartet uns. Seine Lebens­ge­schichte ist voller Tragik und Hoff­nung zugleich und fast sinn­bild­lich für die Geschichte dieses Landes: Mit vier­zehn über­lebte er nur mit Glück Saddams Giftgas-Angriff auf die nord­ira­ki­sche Stadt Halab­dscha im Jahr 1988. Er rang mona­te­lang in den Bergen ums Über­leben, schlug sich danach als Ziga­ret­ten­schmuggler durch, studierte Jura und leitet heute das Büro von »wadi« in Sulai­ma­niyya. Von hier aus werden die zahl­rei­chen Projekte der deut­schen Hilfs­organisation koor­di­niert. Und hier werde ich während meines einwö­chigen Aufent­haltes unter­ge­bracht sein.

Unsere erste Tour führt durch zahl­reiche Check­points hinauf in das Berg­dorf Tawela. Ein paar Schritte noch und man befände sich bereits auf irani­schem Boden. Wir stoßen auf das »Spiel­mobil« von »wadi«. Seit Früh­jahr dieses Jahres fährt der kunter­bunt bemalte Bus durch die Dörfer der Hauraman-Region. Ein Gebiet, das am stärksten von Gift­gas­an­griffen und Zerstö­rungen im Rahmen von Saddams soge­nannter »Anfal-Opera­tion« betroffen war. Zwei Frauen und ein Mann bringen mit dem Bus, bestückt mit Spiel­sa­chen, etwas Abwechs­lung und Freude zu Kindern, für die der Begriff »Spiel­platz« ein Fremd­wort ist. Verwun­dert blicke ich auf glück­liche Kinder, die vor einfa­chen Plastik-Rutschen und ein paar Lego-Steinen Schlange stehen.

Bis 2003 wütete in dieser land­schaft­lich wunder­schönen Berg­re­gion die »Ansar al-Islam« – eine, den Taliban ähn­liche, isla­mis­ti­sche Terror­gruppe, die Frauen den Schul­besuch verbot und sie unter den Schleier zwang. Nach der Befreiung der Region durch kurdi­sche und US-ameri­ka­ni­sche Truppen konnte »wadi« auch hier eines seiner Frau­en­zen­tren einrichten.

Im Dorf Biara erhalten Frauen aus der Umge­bung nun Lese-, Sprach- und Compu­ter­kurse. Auch können sie an Schmink- und Friseur-Work­shops teil­nehmen. Das schafft Frei­räume und ermög­licht es ihnen, sogar etwas zum Fa­milieneinkommen beizu­tragen – in einer von Stammes-Tradi­tion, Analpha­be­tismus und Islam geprägten Dorf­gesellschaft eine großer Schritt nach vorn.

Dieses Land ist unwahr­schein­lich reich an Erdöl und gehört zu den frucht­barsten Gebieten in der gesamten Region“ sagt Thomas „aber ein Groß­teil der Nahrungs­mittel muss impor­tiert werden und für einfachste Kinder­spiel­plätze ist kein Geld da.“ Man mag es kaum glauben. Später wird ihm der Direktor einer Dorf­schule erzählen, dass dieser die Basket­ball­körbe, die er gerade im Schulhof aufstellen lässt, aus eigener Tasche bezahlt hat. Man müsse schließ­lich den irani­schen Grenz­posten, die von den Bergen auf seinen Schulhof runter blicken können, demons­trieren, dass »regime change« Fort­schritt bedeutet.

Wir verlassen die Berge in südöst­liche Rich­tung. Wieder geht es durch zahl­reiche Check­points – wir sind noch in der so genannten »zone red«, einen Sektor, in den beispiels­weise die UN ihren Mitar­bei­tern den Zutritt verbietet – und kommen nach Halab­dscha. Eine Stadt mit mitt­ler­weile wieder an die 50.000 Einwoh­nern. Schlag­zeilen machte die Stadt, als Saddam Hussein sie im März 1988 zwei Tage lang mit Giftgas bombar­dieren ließ. Bis zu 5.000 Menschen fanden sofort einen qual­vollen Tod, weitere Tausend starben an den Spät­folgen des Angriffes.

Auch in Halab­dscha gibt es ein von »wadi« unter­stütztes Frau­en­zen­trum. Seit 2007 befindet sich darin unter anderem das erste Frauen-Café im kurdi­schen Nord­irak. Was bei uns in Europa nur müdes Achsel­zu­cken hervor­ruft, ist hier eine abso­lute Beson­der­heit. Teestuben und Cafés gibt es zwar zuhauf im nahen Osten – jedoch ausschließ­lich für Männer. Frauen bleibt dieser wich­tige Ort der Kommu­ni­ka­tion verschlossen. In Halab­dscha ist nun immerhin ein Anfang gemacht, damit sich das ändern kann.

Einen Anfang machen – hier setzt auch das heute sehr erfolg­reiche Radio »Dange Nwe« (zu deutsch: »Neue Stimme«) an. Es ist der erste unab­hän­gige Radio­sender im Nord­irak. Seit 2005 sendet die von »wadi» initi­ierte und mitt­ler­weile selbst­ver­wal­tete Radio­sta­dion aus Halab­dscha täglich ein breit­ge­fä­chertes Programm für Frauen und Jugend­liche. Man muss wissen, dass Jugend­liche mit 60 % den größten Bevöl­ke­rungs­an­teil im Irak stellen. In anderen Ländern des Nahen Osten ist es nicht viel anders. Ein enormer demo­gra­phi­scher Druck, in einer Region, in der der Lebens­abschnitt »Jugend­li­cher« als Begriff nicht exis­tiert.

Zurück geht es im schönsten Abendrot nach Sulai­ma­niyya. Getankt wird unter­wegs auf die iraki­sche Art: Zwar gibt es in den Zentren mitt­ler­weile auch Tank­stellen, doch prägen Bret­ter­buden mit davor aufge­türmten, benzin­ge­füllten Plas­tik­ka­nis­tern das Bild der Straße. Fehlt der frische Wind aus den Bergen, legt sich über die Stadt eine Abgas­glocke, die einem Frank­furter Frisch­luft gewohnten Touristen das Atmen erschwert. Nicht auszu­denken, wenn die hier üb­lichen 45° C im Sommer dazu kommen.

Sulai­ma­niyya erweist sich unüber­sehbar als eine Boom-Town. Wie Pilze schießen vieler­orts neue Wohn­sied­lungen und mehr­stö­ckige Alumi­nuim-Glas-Paläste aus dem Boden. Ein neuer Univer­si­täts­kom­plex entsteht am Stadt­rand, der Rohbau eines gigan­ti­schen Kran­ken­hauses wartet auf Voll­endung und der Verkehrs­we­gebau treibt orien­ta­lisch sonder­bare Kapriolen. Die Innen­stadt mit ihren belebten und verwin­kelten Markt­gassen wird »saniert«: Alter Bestand wird abge­rissen und hier und dort fressen sich riesige Baugruben in den Boden.

Wer in den Straßen der Stadt schwer­be­waff­nete US-Patrol­­lien erwartet, wird schwer enttäuscht. In Sulai­ma­niyya und im gesamten Nord­irak sind keine US-Truppen mehr statio­niert. Zwar prägen vor wich­tigen Gebäuden immer noch schwere Beton-Sperren und bewaff­nete Wächter das Bild der Stadt, ansonsten herrscht jedoch weitest­ge­hend Norma­lität. Nach Jahren der brutalen Unter­drü­ckung durch das Regime von Saddam Hussein und seiner Baath-Partei sowie dem isla­mis­ti­schen Terror der »Ansar al-Islam« zeigt sich der kurdi­sche Nord­irak mitt­ler­weile poli­tisch stabil.

Eine fast schon bewun­derns­werte Stabi­lität. Muss man sich doch immer wieder verge­gen­wär­tigen, dass Saddams Schergen hier in den acht­ziger Jahren an die 4.000 Dörfer und zehn Städte dem Erdboden gleich­machten. Geschätzte 180.000 Menschen ließ das Regime verschwinden, deren Leichen nun in zahl­rei­chen Massen­grä­bern wieder auftau­chen. Als sich die Kurden 1991 von Saddam befreien konnten, lag die eins­tige Korn­kammer des Irak voll­kommen danieder. Dörfer mussten wieder aufge­baut und hundert­tau­senden von Menschen, die quasi Flücht­linge im eigenen Land waren, eine Zukunft gegeben werden. Zu allem Über­fluß entbrannte 1994 zwischen den beiden großen kurdi­schen Parteien PUK und KDP ein erbit­terter Krieg um die Einnahmen aus dem Grenz­handel. Der Konflikt fand erst 1998 in einem insta­bilen Waffen­still­stand sein Ende.

Und weitere Probleme kommen hinzu. Nicht nur die Diktatur Saddams und der isla­mis­ti­sche Terror haben Narben hinter­lassen. Auch tief­ver­wur­zelte Stammes-Tradi­tionen, Korrup­tion, der Nepo­tismus der Parteien, deren Unfä­hig­keit trag­fä­hige ökono­mi­sche Struk­turen zu schaffen sowie eine Reli­gion, die sich wie Firnis über die Gesell­schaft legt, machen es schwierig und äußerst mühsam, notwen­dige Verän­de­rungen in Gang zu bringen.

Beim Abend­essen wird mir klar: Trotz aller Widrig­keiten haben die Menschen hier etwas, was Grundvoraus­setzung für notwen­dige Verän­de­rungen ist – Frei­heit und Demo­kratie. So zerbrech­lich und unvoll­kommen sie auch sein mögen. In keinem anderen Land im Nahen Osten, Israel ausge­nommen, könnten wir in einem Restau­rant sitzen und laut­hals Witze über die herr­schenden Parteien und die Reli­gion machen, ohne Angst vor staat­li­cher Willkür haben zu müssen.

Später geht es dann noch ins Bowling­center von Sulai­maniyya. Nach der übli­chen Leibes­vi­si­ta­tion – isla­mis­ti­sche Suicide-Bomber verstehen nunmal keinen Spass – haben wir in mehreren Etagen Spiel­au­to­maten, Bowling, Billard oder Tisch­fuß­ball zur Auswahl. Wir entscheiden uns für Tisch­fuß­ball, ich verliere und verschütte auch noch mein teures korea­ni­sches Bier. Aber wir sehen Frauen ohne Kopf­tü­cher und Männer, die gemeinsam einfach nur Freude am Bowling haben. Auch ein Zeichen der Hoff­nung für den Irak, denke ich. Und »wadi«, mitt­ler­weile fast die einzige deut­sche Hilfs­or­ga­ni­sa­tion, die diesem Land nicht den Rücken gekehrt hat, ist es auch.

Bereits die dritte Auszeich­nung für die → Fest­schrift »125 Jahre VDW« – nach einem Award des DDC (Deut­scher Desi­gner Club) und einem Diplom bei der Berliner Type 2016 wurde die Publi­ka­tion nun für den German Design Award 2018 nomi­niert. Der German Design Award zeichnet inno­va­tive Produkte und Projekte, ihre Hersteller und Gestalter aus, die in der deut­schen und inter­na­tio­nalen Design­land­schaft wegwei­send sind. Dies garan­tiert die hoch­ka­rätig besetzte, inter­na­tio­nale Jury. Vergeben wird der German Design Award vom Rat für Form­ge­bung, der deut­schen Marken- und Desi­gn­in­stanz. Sein Auftrag von höchster Stelle: das deut­sche Design­ge­schehen zu reprä­sen­tieren. 1953 auf Initia­tive des Deut­schen Bundes­tages als Stif­tung gegründet, unter­stützt er die Wirt­schaft dabei, konse­quent Marken­mehr­wert durch Design zu erzielen. Das macht den Rat für Form­ge­bung zu einem der welt­weit führenden Kompe­tenz­zen­tren für Kommu­ni­ka­tion und Marken­füh­rung im Bereich Design.

Die → Fest­schrift »125 Jahre VDW« für der Verein Deut­scher Werk­zeug­ma­schi­nen­fa­briken wurde beim Wett­be­werb »Gute Gestal­tung 2016« des DDC (Deut­scher Desi­gner Club) mit einem Award ausge­zeichnet. Und der Wett­be­werb Berliner Type 2016 zeich­nete die Publi­ka­tion mit einem Diplom aus.

Das hört man doch gerne: Der → Online-Geschäfts­be­richt 2015 von comdi­rect wurde bereits mit drei Awards ausge­zeichnet: Silber beim Best of Content-Marke­ting 2016-Award in der Kate­gorie »Reporting Digital«, Gold in der Kate­gorie »Inter­ac­tive« bei den ARC-Awards 2016 und Silber in der Kate­gorie »Annual Report« beim LACP-Award 2016.

Auch dieses Jahr wurden wieder die besten Geschäfts­be­richte deut­scher Fami­li­en­un­ter­nehmen durch den → Private Public Award ausge­zeichnet. Auf einer feier­li­chen Preis­ver­lei­hung in den Räumen der »Villa Orange« in Frank­furt am Main erhielt der Geschäfts­be­richt der Robert Bosch GmbH die Auszeich­nung als Gesamt­sieger. Als Mitglied der Jury durfte ich die Awards für den Sieger in der Kate­gorie »Digital« (Boehringer Ingel­heim) über­rei­chen. Zum Private Public Award erscheint ein von mir gestal­tetes → Magazin, mit allen wich­tigen Ergeb­nissen und Infos rund um das Thema Geschäfts­be­richte. Der bereits zum sechsten Mal verlie­hene Private Public Award gilt als Vergleichs­maß­stab für die inhalt­liche, sprach­liche und grafi­sche Qualität der Berichte nicht-börsen­no­tierter Fami­li­en­kon­zerne. Bei der Bewer­tung der Geschäfts­be­richte arbeitet der Initiator des Wett­be­werbs ergo Kommu­ni­ka­tion mit der Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft PKF Fasselt Schlage und Klaus Bietz \ visu­elle Kommu­ni­ka­tion zusammen.

Das hört man doch gerne: Der → Online-Geschäfts­be­richt 2014 von comdi­rect wurde bei den LACP-Awards mit Gold ausge­zeichnet. Die LACP Vision Awards werden jähr­lich von der League of American Commu­ni­ca­tions Profes­sio­nals (LACP) vergeben und sind eine renom­mierte Auszeich­nung in der inter­na­tio­nalen Finanz­be­richt­erstat­tung.

Der → Online-Geschäfts­­be­richt für die Deka-Gruppe wurde gleich doppelt nomi­niert: bei den BCP-Award 2015 für die Kate­gorie »Digital Media/Mobile« und beim Deut­schen Preis für Online­kommuni­kation 2015 für die Kate­gorie »Digi­taler Geschäfts­bericht«. Jetzt heißt es Daumen drücken.

Die Jury der PR Report Awards hat getagt und das → Magazin zum Private Public Award für die Kate­gorie »Corpo­rate Media — analog« in die Short­list des PR Report Awards 2015 gewählt. Am 16. April wird in Berlin von den nomi­nierten Arbeiten in jeder Kate­gorie des Wett­be­werbs eine Auszeich­nung verliehen. Daumen drücken.

Auch dieses Jahr wurden wieder die besten Geschäfts­be­richte deut­scher Fami­li­en­un­ter­nehmen durch den → Private Public Award ausge­zeichnet. Auf einer feier­li­chen Preis­ver­lei­hung im Lite­ra­tur­haus in Frank­furt am Main erhielt der Geschäfts­be­richt von TÜV SÜD die Auszeich­nung als Gesamt­sieger (Foto). Als Mitglied der Jury durfte ich die Awards für den Sieger in der Kate­gorie »Digital« (MANN+HUMMEL) und den Besten in der Kate­gorie »Gestal­tung« (TRUMPF) verleihen. Zum Private Public Award erscheint ein von mir gestal­tetes → Magazin mit allen wich­tigen Ergeb­nissen und Infos rund um das Thema Geschäfts­be­richte. Der bereits zum fünften Mal verlie­hene Private Public Award gilt als Vergleichs­maß­stab für die inhalt­liche, sprach­liche und grafi­sche Qualität der Berichte nicht-börsen­no­tierter Fami­li­en­kon­zerne. Bei der Bewer­tung der Geschäfts­be­richte arbeitet der Initiator des Wett­be­werbs ergo Kommu­ni­ka­tion mit der Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft PKF Fasselt Schlage und Klaus Bietz \ visu­elle Kommu­ni­ka­tion zusammen.

Der → Geschäfts­be­richt für Deka­Bank und der → Online-Geschäfts­be­richt für comdi­rect wurden bei den LACP Awards 2013 jeweils mit Silber ausge­zeichnet. Die LACP Vision Awards werden jähr­lich von der League of American Commu­ni­ca­tions Profes­sio­nals (LACP) vergeben und sind eine renom­mierte Auszeich­nung in der inter­na­tio­nalen Finanz­be­richt­erstat­tung.

Der → Geschäfts­be­richt für Heraeus wurde bei den LACP Awards 2013 mit Bronze ausge­zeichnet. Die LACP Vision Awards werden jähr­lich von der League of American Commu­ni­ca­tions Profes­sio­nals (LACP) vergeben und sind eine renom­mierte Auszeich­nung in der inter­na­tio­nalen Finanz­be­richt­erstat­tung.

Die Studie zum Geschäfts­be­richt-Award: Das frisch erschie­nene → Magazin doku­mentiert nicht nur die Ergeb­nisse des → Private Public Award sondern bietet auch sonst noch einige Infor­mationen rund um das Thema Reporting.

Die zweite Auszeich­nung für den aktu­ellen → Geschäfts­be­richt der Deka­Bank: neben Silber bei den LACP-Awards erhält der Bericht Bronze bei den ARC-Awards 2012 (Annual Report Compe­ti­tion).

Gleich ein Doppel­schlag: Silber bei den LACP Awards 2012 gab es für den → Geschäfts­be­richt von Comdi­rect und den → Geschäfts­be­richt für Deka­Bank. Die LACP Vision Awards werden jähr­lich von der League of American Commu­ni­ca­tions Profes­sio­nals (LACP) vergeben und sind eine renom­mierte Auszeich­nung in der inter­na­tio­nalen Finanz­be­richt­erstat­tung.

Am 15.11. wurden im »Frank­furter Hof« die dies­jäh­rigen Preise des → Private Public Award verliehen. Bereits zum dritten Mal zeichnet der Wett­be­werb die besten Geschäfts­be­richte deut­scher Fami­lien- oder Stif­tungs­un­ter­nehmen aus. Gesamt­sieger wurde der Bericht von B. Braun Mels­ungen AG. Auf dem zweiten und dritten Platz folgten die Berichte von Franz Haniel & Cie. GmbH und der Otto GmbH & Co KG. Der erst­mals verlie­hene Sonder­preis »Bester Nach­hal­tig­keits­be­richt« ging an die Oetker-Gruppe. Als Jury­mit­glied für das Segment Gestal­tung durfte ich den Preis »Beste Gestal­tung« an die Heraus Holding GmbH über­rei­chen.

Geschafft: Nach fast zwei Jahren war es an der Zeit, die Website einem gründ­li­chen Relaunch zu unter­ziehen. Heute ist sie nun endlich online – mit einer aktua­li­sierten Struktur, klarer Tren­nung zwischen News und Projekt­dar­stel­lungen und ganz ohne Flash-Anwen­dungen… Viel Spaß.

Auch dieses Jahr wurde der → Geschäfts­be­richt der Comdi­rect Bank wieder bei den LACP-Awards ausge­zeichnet. Nach Bronze im letzten Jahr gab es diesmal eine Silber­me­daille. Demnach müßte es, nach den Regeln der Wahr­schein­lich­keits­rech­nung, im nächstes Jahr Gold geben – wir arbeiten dran. Die LACP Vision Awards werden jähr­lich von der League of American Commu­ni­ca­tions Profes­sio­nals (LACP) vergeben und sind eine renom­mierte Auszeich­nung in der inter­na­tio­nalen Finanz­be­richt­erstat­tung.

Am 5. Oktober 2010 wurden in Frank­furt die Preise des → Private Public Award verliehen. Bereits zum zweiten Mal zeichnet der Wettb­werb die besten Geschäfts­be­richte deut­scher Fami­lien- und Stif­tungs­un­ter­nehmen aus. Als Mitglied der Jury durfte ich auch dieses Jahr wieder die Laudatio auf den Sieger in der Kate­gorie »Gestal­tung« halten.

Dieser Preis ging diesmal an die Heraeus Holding, während das Unter­nehmen Franz Haniel & Cie als Gesamt­sieger glänzen konnte. Weitere Preise gingen an die Otto Group, B.Braun Mels­ungen und Wilo SE. Aus der Pres­se­mit­tei­lung des Initia­tors ergo Kommu­ni­ka­tion: » … Das Format hat sich binnen kürzester Zeit als Vergleichs­maß­stab für die inhalt­liche, sprach­liche und grafi­sche Qualität der Berichte nicht börsen­no­tierter Fami­li­en­kon­zerne etabliert. Bei der Bewer­tung der Geschäfts­be­richte anhand von über 90 Krite­rien arbeitet ergo eng mit der Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft PKF Fasselt Schlage und dem Desi­gner Klaus Bietz zusammen. In der Jury sind ferner die Morgan Stanley Bank, Roland Berger Stra­tegy Consul­tants und die Zeppelin Univer­sität vertreten …«

Zum Wett­be­werb ist eine umfang­reiche Studie erschienen.

Seit 2008 haben mich drei Reisen in den kurdi­schen Nord­irak geführt, um die dortige Arbeit der Hilfs­or­ga­ni­sa­tion »wadi« zu unter­stützen. Hier gehts zu einer → Foto­re­por­tage über ein Land, von dem wir oft ein allzu einsei­tiges Bild haben.

Der Geschäfts­be­richt 2009 der Comdi­rect Bank wurde bei den LACP-Awards mit Bronze ausge­zeichnet. Die LACP Vision Awards werden jähr­lich von der League of American Commu­ni­ca­tions Profes­sio­nals (LACP) vergeben und sind eine renom­mierte Auszeich­nung in der inter­na­tio­nalen Finanz­be­richt­erstat­tung.

Ende 2009 war ich erneut im Nord­irak, um die Arbeit Hilfs­or­ga­ni­sa­tion »wadi« zu unter­stützen. Ein Ergebnis davon war eine Bild/­Text-Repor­tage über die Hilfs­pro­jekte in Halabja, die im jähr­li­chen Rund­brief von »wadi« erschien.

Ein Tag in Halabja

Halabja – die Stadt im Nord­osten des Iraks, nahe der irani­schen Grenze gelegen, stand einmal kurz im Zentrum der Welt­öf­fent­lich­keit: vor mitt­ler­weile 21 Jahren ließ Saddam Hussein die Stadt mit Giftgas bombar­dieren. 5.000 Menschen starben damals sofort, Tausende später, und noch heute leiden hier Menschen unter den Spät­folgen. Massen­gräber und ein weithin sicht­bares Mahnmal sind die stei­nernen Zeugen dieser schreck­li­chen Vergan­gen­heit.

Doch ich bin mit der deut­schen Hilfs­or­ga­ni­sa­tion WADI auf dem Weg, um die Zukunft von Halabja kennen zu lernen. Ich will wissen: Wie gelingt es einer derart geschun­denen Region, sich vom Horror der Vergan­gen­heit zu befreien. Unter­wegs treffen wir den mit Kinder­zeich­nungen bemalten Spielbus von WADI. Seit nunmehr fast zwei Jahren fährt der etwas alters­schwache Bus durch die Hauraman-Region und macht Station in Dörfern, in denen Spiel­plätze für Kinder unbe­kannt sind.

Vier Tage in der Woche sind Kosralan Abu Baker, der Fahrer sowie Hero Waqel, eine Erzie­herin und Shnur Karemm, eine Kranken­schwester mit dem Spielbus in den abge­schie­denen und trost­losen Dörfern unter­wegs. in Gegenden, in denen es oft noch immer an Infra­struktur und medi­zi­ni­scher Versor­gung fehlt.

Unzäh­lige Dörfer in dieser Region wurden im Rahmen von Saddams soge­nannter »Anfal«-Kampagne mit Giftgas bombar­diert und dem Erdboden gleichge­macht. Viele Menschen leiden immer noch unter physi­schen und/oder psychi­schen Spät­folgen. Neuge­bo­rene weisen häufig Miss­bil­dungen auf und die Leuk­ämie­rate ist deut­lich höher als normal. Unbe­schwerten Spaß zu haben, ist hier für Kinder immer noch eine Selten­heit und der Spielbus oft die einzige Attrak­tion in ihrem tristen Alltag.

In Halabja ange­kommen, besu­chen wir den Radio­sender »Dange Nwe« – zu deutsch: »Neue Stimme«. Schon von weitem ist der hohe Sende­mast zu erkennen. Im Jahr 2005 initi­iert von WADI, ist Radio »Dange Nwe« bis heute der einzige unab­hän­gige Radio­sender im Irak. Er bietet vorwie­gend ein Programm für Frauen und Jugend­liche. Talk­shows, Nach­rich­ten­sen­dungen, selbst produ­zierte Doku­men­ta­tionen haben ebenso ihren Platz, wie regio­nale und inter­na­tio­nale Musik oder Roman­le­sungen. Das Radio ermu­tigt seine Hörer mitzu­ma­chen: diese rufen an, sagen ihre Meinung und spre­chen offen Pro­bleme und Mißstände an. Acht Mitar­beiter, davon fünf Frauen, sind eigen­ver­ant­wort­lich für das Radio. Fast alle sind in Flücht­lings­la­gern aufge­wachsen, keiner hat eine jour­na­lis­ti­sche Ausbil­dung.

Zum Mittag­essen sind wir ins Frau­en­zen­trum von Halabja einge­laden. Den übli­chen Tee gibt es ein Stock­werk höher im Frau­en­café, welches 2007, als erstes Frau­en­café im kur­dischen Nord­irak, eröffnet werden konnte. Ein wich­tiges Novum, da Cafés ansonsten nur Männern zugäng­lich sind und Frauen in Halabja keine Möglich­keit hatten sich unge­stört zu treffen. Das Frau­en­zen­trum verwaltet sich mitt­ler­weile selbst und wird, wie alle WADI-Projekte im Raum Halabja von der Stif­tung »Green Cross« unter­stützt. Während am Tisch gegen­über gerade die erste Selbst­hil­fe­gruppe für geni­tal­ver­stüm­melte Frauen gegründet wird, treffen auch schon die ersten Frauen für die zahl­reichen Kurse und Veran­stal­tungen ein, die hier ange­boten werden. Viele Frauen hatten nie die Chance, Schreiben und Lesen zu lernen. Jetzt haben sie die Möglich­keit – und diese wird gerne wahr­ge­nommen. Das Zentrum bietet weiterhin medi­zi­ni­sche und juris­ti­sche Beratungs­dienste sowie berufs­qualifizierende Kurse und Semi­nare an.

Viele Frauen tragen noch Kopf­tuch. Ob aus Tradi­tion oder aus reli­giöser Über­zeugung? Ich habe vergessen zu fragen. Im Ver­gleich zum letzten Jahr sehe ich jeden­falls nun auch in den Straßen von Halabja junge Frauen west­lich ge­kleidet und ohne Kopf­tuch. Vor Jahren wären sie dafür noch umge­bracht worden. Wir machen noch eine kurze Zwischen­sta­tion am Mahnmal für die Gift­gasopfer in Halabja und dann geht es zurück nach Sule­ma­niyah. Die Zeiten ändern sich.

Zum → Private Public Award 2009 gerade erschienen: 80 Seiten geballte Infor­ma­tionen zum Thema Geschäfts­be­richte von deut­schen Fami­lien- und Stif­tungs­un­ter­nehmen, inkl. einem Beitrag von mir zum Thema Gestal­tung von Geschäfts­be­richten:

Das Design von Geschäfts­be­richten – ein Balan­ceakt

Umschläge mit mehreren Innen­klappen, verschie­dene Bedruck­stoffe, Sonder­farben, Blind- und Heiß­fo­li­en­prä­gung oder einge­legte Produkt­über­sichten, ausklapp­bare Innen­seiten oder Klebe-, Faden- und Spiral­bin­dung, als Schweizer Broschur oder sogar in Buch­form … der Fantasie bei der Gestal­tung von Geschäfts­be­richten von Fami­lien- und Stif­tungs­un­ter­nehmen scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein. Die Grenzen werden aber dann offen­sicht­lich, wenn die Gestal­tung den Inhalt über­la­gert oder nur dazu dient, vor dürf­tigen Inhalten eine impo­sante Fassade zu stellen. In diesem Fall verfehlt der Geschäfts­be­richt seine Funk­tion als ein zentrales Kommu­ni­ka­ti­ons­mittel von Unter­nehmen in Fami­lien- oder Stif­tungs­be­sitz.

Der Geschäfts­be­richt muss in Text, Grafik und Mate­ria­lität (Papier, Druck, Verar­bei­tung) die Werte eines Unter­neh­mens kommu­ni­zieren und kann wie keine andere Publi­ka­tion auch eine Unter­neh­mens­stra­tegie visua­li­sieren. Damit wird er zu einem wich­tigen Image­träger des Unter­neh­mens. Aber um seiner Funk­tion gerecht werden zu können, muss er glaub­würdig sein – sowohl beim Inhalt als auch in seiner Gestal­tung. Denn Gestal­tung ist kein Selbst­zweck, sondern dient dazu, Inhalte durch visu­elle Kommu­ni­ka­tion zu struk­tu­rieren und zu emotio­na­li­sieren. Mit dem Ziel, dem Empfänger den Zugang zu diesen Inhalten zu erleich­tern und ihn die Iden­tität eines Unter­nehmen spürbar werden zu lassen.

Das beginnt bei dem ersten Eindruck, den ein Geschäfts­be­richt beim Leser hinter­lässt, sobald er den Bericht zur Hand nimmt. Ein außer­ge­wöhn­li­ches Format abseits des klas­si­schen DIN A4 erregt die Aufmerk­sam­keit, kann aller­dings auch, aufgrund der Abwei­chung vom Stan­dard­format, höhere Erwar­tungen an die Gestal­tung des gesamten Geschäfts­be­richts wecken. Zudem hat das DIN-A4-Format auch Vorteile – wenn z.B. alle anderen Broschüren des Unter­neh­mens dieses Format haben und die Versand­lo­gistik darauf abge­stimmt ist. Auch die Menge des beim Druck anfal­lenden Papier­ab­falls kann ein Gesichts­punkt sein, den es zu berück­sich­tigen gilt.

Für die Kommu­ni­ka­tion mit dem Leser mit Hilfe des Geschäfts­be­richts spielt das Layout – also das Zusam­men­spiel einzelner Elemente wie Format, Text, Farben, Bilder, Grafiken und Tabellen – eine entschei­dende Rolle. Dieses Layout basiert auf einem Gestal­tungs­raster. Das Raster ermög­licht es dem Gestalter, dem Bericht eine visu­elle Struktur zu geben, indem es die beiden Antago­nismen Ordnung und Krea­ti­vität in eine Syste­matik einbindet. Das erfor­dert viel Finger­spit­zen­ge­fühl, denn wird hier an den Stell­schrauben falsch gedreht, dann kann der Bericht entweder lang­weilig geraten oder ins „krea­tive Chaos“ abgleiten.

Text­ko­lonnen mit Währungs­zei­chen und Auszeich­nungen, Auflis­tungen, Tabellen, Info­gra­fiken usw. – wohl keine andere Publi­ka­tion stellt derart hohe Anfor­de­rungen an den Faktor Schrift wie ein Geschäfts­be­richt. Die Wahl der rich­tigen Typo­grafie – der Schrift und deren Anwen­dungs­me­tho­diken wie Schrift­größe, Satz­spiegel oder Satzart – ist ein entschei­dendes Krite­rium für dessen Lesbar­keit. Und gute Typo­grafie schmei­chelt Auge und Inhalt zugleich, sie ist Infor­ma­tions- und Image­träger. Diese Doppel­funk­tion macht die Typo­grafie zu einer der zentralen Säulen für die über­zeu­gende Gestal­tung eines Geschäfts­be­richts – zugleich aber auch zu einer der größten Heraus­for­de­rungen. Denn trotz 6000 Jahre Schrift­ge­schichte: Die opti­male Schrift gibt es nicht. Eine gut lesbare Schrift kann, falsch einge­setzt, mise­rable Ergeb­nisse liefern und einen hervor­ra­genden Inhalt konter­ka­rieren während eine exzel­lente Gestal­tung auch mit einer vermeint­lich schlecht lesbaren Schrift über­zeu­gende Resul­tate liefern kann.

Diese heraus­ra­gende Bedeu­tung der Typo­grafie zeigt sich auch bei Tabellen. Gerade weil bei ihnen der Gestal­tungs­spiel­raum begrenzt scheint, sind sie eine gestal­te­ri­sche Heraus­for­de­rung. Auch hier gibt es keine Stan­dards, aber Krite­rien der Lesbar­keit und der Syste­matik, die es zu beachten gilt.

Kein Geschäfts­be­richt ohne Infor­ma­ti­ons­gra­fiken – denn sie ermög­li­chen dem Leser,das schnelle Erfassen komplexer Zusam­men­hänge und eröffnen dem Gestalter die Möglich­keit, für das Unter­nehmen einpräg­same visu­elle Eckpunkte im Geschäfts­be­richt zu setzen. Eindeu­tig­keit und Klar­heit der Infor­ma­ti­ons­ver­mitt­lung stehen dabei an erster Stelle, was aber nicht Gleich­för­mig­keit und Lange­weile bedeuten darf. Wenn der Gestalter um die Anfor­de­rungen einer gut lesbaren Infor­ma­ti­ons­grafik weiß, so bieten sich ihm eine Menge Möglich­keiten, um aus einem einfa­chen Diagramm auch einen Image­träger zu machen.

Das gilt auch für den Einsatz von Bildern. War früher das Vorstands­foto oft die einzige Foto­grafie, die extra für den Geschäfts­be­richt ange­fer­tigt wurde und man sich ansonsten aus dem Archiv bediente, so ist ein profes­sio­nelles Bild­kon­zept mitt­ler­weile unum­gäng­lich. Ob durch­ge­hend einheit­liche Bild­sprache oder Patch­work – das Konzept und die Authen­ti­zität ist entschei­dend. Dauer­g­rin­sende Foto­mo­delle mit Telefon in der Hand oder bedeu­tungs­schwan­gere Meta­phern wie Brücken sind zwar bei Bild­agen­turen schnell besorgt, aber der Glaub­wür­dig­keits-Faktor solcher Bilder geht gegen null. Viele Produkt­fotos bergen die Gefahr, aus dem Geschäfts­be­richt tenden­ziell eine Produkt­bro­schüre zu machen, und eine Bild­strecke mit den schönsten Ansichten der Unter­neh­mens­zen­trale ist noch lange kein Bild­kon­zept. Foto­grafie ist als Image­träger zu wichtig, als das man sie auf die Funk­tion der visu­ellen Auflo­cke­rung redu­zieren darf. Ein intel­li­gentes Bild­kon­zept und deren profes­sio­nelle Umset­zung ist ein zentraler Bestand­teil eines Geschäfts­be­richts – wobei der Begriff „Bild“ nicht nur auf die Foto­grafie beschränkt sein darf; auch Illus­tra­tionen können ein span­nendes Bild­kon­zept ergeben.

Um seiner Funk­tion als Image­träger des Unter­neh­mens erfüllen zu können, muss sich ein Geschäfts­be­richt in das Corpo­rate Design einer Fami­lien- oder Stif­tungs­ge­sell­schaft einfügen. Oder viel­leicht doch nicht? Bei der Bezie­hungs­frage zwischen Geschäfts­be­richt und Corpo­rate Design gibt es zwei Lager: Für die einen ist das Corpo­rate Design verbind­liche Grund­lage für die Erstel­lung aller Unter­neh­mens­pu­bli­ka­tionen, fast schon mit dem Charakter eines unum­stöß­li­chen Gesetzes. Die Unter­ord­nung des Geschäfts­be­richts unter diesen Regeln bedeutet oftmals ein in Stein gemei­ßeltes Gestal­tungs­raster – obgleich dieses Raster eigent­lich für Produkt­bro­schüren o.ä. gedacht ist – sowie eine unpas­sende Typo­grafie und vorge­fer­tigte Bild­welten. Diesem Konflikt fällt dann leider nur allzu oft die gestal­te­ri­sche und somit die kommu­ni­ka­tive Qualität des Berichts zum Opfer. Das andere Lager dagegen postu­liert die gestal­te­ri­sche Frei­heit nach dem Motto „Wir machen schließ­lich einen GESCHÄFTSBERICHT, da dürfen uns doch die Fesseln des Corpo­rate Design nicht einengen“. Das kann aller­dings zur Folge haben, dass der Geschäfts­be­richt zwar ein krea­tives Meis­ter­werk wird, aber keinerlei visu­elle Bezüge zum Unter­nehmen zeigt – und damit eben­falls als Image­träger versagt. Mitt­ler­weile gesellt sich noch ein drittes Lager hinzu. Das profi­tiert von den Schwä­chen der beiden anderen und klam­mert sich an ein neues Rezept Ein für alle Unter­nehmen gültiges „Geschäfts­be­richt Corpo­rate Design“: univer­selle Stan­dards für Typo­gra­phie, Gestal­tungs­raster und Layout-Syste­matik bis hin zur buch­bin­de­ri­schen Verar­bei­tung.

Richtig ist: Das Corpo­rate Design eines Unter­neh­mens kann nicht gänz­lich außen vor gelassen werden, da der Geschäfts­be­richt zentraler Bestand­teil des visu­ellen Erschei­nungs­bild eines Unter­neh­mens ist. Richtig ist aber auch: Gestal­te­ri­sche Frei­heiten sind notwendig, da der Geschäfts­be­richt inner­halb der Unter­neh­mens­pu­bli­ka­tionen inhalt­lich und formal eine Sonder­stel­lung einnimmt, die von einem Corpo­rate Design kaum voll­ständig berück­sich­tigt werden kann. Und: Es gibt gewiss Stan­dards, die bei der Gestal­tung von Geschäfts­be­richten hilf­reich sind. Aber sie dürfen kein Dogma sein, sonst läuft das Fami­lien- oder Stif­tungs­un­ter­nehmen Gefahr, austausch­bare Kopien auf hohem Niveau zu erzeugen – und seine Chance unge­nutzt verstrei­chen zu lassen, den Geschäfts­be­richt als glaub­wür­diges Kommu­ni­ka­ti­ons­in­stru­ment erfolg­reich einzu­setzen.

Am 26. Oktober 2009 wurden in Frank­furt die Preise des → Private Public Award verliehen. Der Wettb­werb kürt die besten Geschäfts­be­richte deut­scher Fami­lien- und Stif­tungs­un­ter­nehmen aus. Ich durfte als Mitglied der Jury die Laudatio auf den Sieger in der Kate­gorie »Gestal­tung« halten.

Hinter dem Private Public Award steht die inha­ber­ge­führte Kommu­ni­ka­ti­ons­be­ra­tung ergo gemeinsam mit der Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft PKF Fasselt Schlage Lang und Stolz. Unter­stützt werden sie von renom­mierten Part­nern wie der Morgan Stanley Bank und Roland Berger Stra­tegy Consul­tants, die auch in der Jury vertreten sind. Das Urteil beruhte auf einem mehr als 70 Quali­täts­merk­male umfas­senden Krite­ri­en­ka­talog zu Inhalt, Struktur und Sprache sowie Gestal­tung und Nutzer­freund­lich­keit der Geschäfts­be­richte. Damit liegt erst­mals ein Format für die maßge­schnei­derte Bewer­tung von Geschäfts­be­richten vor, das sich auf nicht börsen­no­tierte Unter­nehmen in Fami­lien- und Stif­tungs­be­sitz fokus­siert. Die Ergeb­nisse aus der Geschäfts­be­richts-Analyse und einer beglei­tenden Umfrage sind in der groß ange­legten Studie „Aus guter Familie“ (PDF 794 KB) aufbe­reitet.

Demnach reicht die Band­breite der unter­suchten Geschäfts­be­richte von Kata­log­stärke bis zum dünnen Heft­chen, vom puris­ti­schen Finanz­be­richt bis zum Messe­stand im Print­format. Der Trend zur wert­ori­en­tierten Bericht­erstat­tung – bei Börsen­werten längst Stan­dard – hat sich noch keines­wegs flächen­de­ckend durch­ge­setzt. Inter­es­sant auch: Mit den Vorteilen, die eine stabile Eigen­tü­mer­struktur gerade in der Finanz­markt­krise mit sich bringt, gehen längst nicht alle Fami­lien- und Stif­tungs­un­ter­nehmen offensiv um. Dafür wird in Progno­se­be­richten häufig Klar­text geredet, weil keine Rück­sicht auf den Akti­en­kurs genommen werden muss.

Die Adolf Würth-Gruppe hat den besten Geschäfts­be­richt 2008 aus der Gruppe der 240 größten, nicht börsen­no­tierten Fami­lien- und Stif­tungs­un­ter­nehmen Deutsch­lands vorge­legt. Beim erst­mals ausge­lobten private publ!c Award erreichte das Unter­nehmen aus Künzelsau über 80 % der Höchst­punkt­zahl. Platz zwei belegt der Bericht des Land­ma­schi­nen­bauers CLAAS, während sich Gies­ecke & Devrient den dritten Platz sichern konnten. Daneben wurden Auszeich­nungen für die beste Sprache (Voith), die beste Gestal­tung (Marquard & Bahls) sowie die beste Corpo­rate Gover­nance-Kommu­ni­ka­tion (Delton) vergeben.

Zusammen mit Dr. Martin Fasselt (PKF), Torsten Oltmanns (Roland Berger), Dr. Katrin Stefan (Zeppelin Univer­sität) und Andreas Martin (ergo Kommu­ni­ka­tion) bin ich Jury-Mitglied des → Private Public Award. Der Wett­be­werb wird die besten Geschäfts­be­richte von deut­schen Fami­lien- und Stif­tungs­un­ter­nehmen auszeichnen.

Thomas von der Osten-Sacken ist Grün­dungs­mit­glied der Hilfs­or­ga­ni­sa­tion »wadi«. Daneben ist er Publi­zist, schreibt u.a. für »Die Welt« und für »Jungle World«, und ein gefragter Experte zu den Themen Irak und Naher Osten. Während meines Aufent­halts im kurdi­schen Nord­irak habe ich ein Inter­view mit ihm geführt.

Seit 1991 ist »wadi« nun im Irak tätig. Wie kam es eigent­lich zur Grün­dung eurer Hilfs­or­ga­ni­sa­tion?

»wadi« wurde gegründet von Leuten, die 1991, unmit­telbar nach dem zweiten Golf­krieg, in den verschie­densten Hilfs­pro­jekten im Irak gear­beitet haben. Ich war einer davon. Ich habe acht Monate im Südirak in einem Nothillfs­pro­jekt gear­beitet und dabei das Land, und vor allem auch die Diktatur Saddam Husseins, kennen­ge­lernt. Die Menschen dort im Südirak gaben uns den Rat, in den Norden, also in das damals schon befreite irakisch-Kurdi­stan, zu gehen. Daraufhin haben wir Ende 1991 »wadi« gegründet und 1993 mit unserer Arbeit in der Region ange­fangen.

Wie hat sich eure Arbeit im Laufe der Zeit entwi­ckelt?

Schon von Beginn an war uns klar, dass wir einen Schwer­punkt auf soziale Projekte legen wollen. Also Projekte, die lang­fristig auch gesell­schaft­liche Verän­de­rungen voran­treiben. Aller­dings waren die Voraus­set­zungen zu dieser Zeit alles andere als ideal: im Nord­irak, als auch im gesamten Land, herrschte ziem­li­ches Chaos. Die Not im Land war derart groß, dass wir mehr auf kurz­fris­tige Hilfe setzen mussten. Aber im Laufe der Zeit haben sich dann doch unsere Schwer­punkte heraus­kris­tal­li­siert: also die Unter­stüt­zung von Projekten für Frauen und Jugend­liche oder von Gefan­genen- und Flücht­lings­pro­jekten. Vor allem ab 2003, nach dem Sturz von Saddam Hussein, hat sich die Lage in der Region soweit stabi­li­siert, das wir endlich auch Projekte angehen konnten, die eher lang­fristig ange­legt sind.

»wadi« hat mitt­ler­weile zahl­reiche Mitar­beiter, die in den verschie­densten Projekten tätig sind. Wie sieht eure Mitar­beiter-Struktur aus und welche Leute arbeiten für »wadi«?

Momentan sind etwas über sechzig Leute in den einzelnen Projekten tätig. Da wir großen Wert darauf legen, dass unsere Orga­ni­sa­tion die dortigen gesell­schaft­li­chen Struk­turen wieder­spie­gelt, sind es viele Frauen und viele sehr junge Menschen, die für uns arbeiten. Man muss sich immer wieder klar machen, dass im Nahen Osten etwa 60% der Leute unter 25 sind, aber in den dortigen Orga­ni­sa­tionen und Insti­tu­tionen ein Alters­durch­schnitt von 40 bis 50 vorherrscht. Unser Ziel ist es, den Leuten bei uns zu helfen, neue und eigene Wege zu gehen. Da sind uns Univer­si­täts­ab­schlüsse usw. nicht so wichtig, sondern entschei­dend ist, dass die Leute enga­giert sind. Damit haben wir die besten Erfah­rungen gemacht. Die Radio­sta­tion in Halab­dscha, wo Du ja auch warst, ist hierfür ein gutes Beispiel: Viele der Leute dort sind in Flücht­lings­la­gern groß geworden, hatten noch nicht mal die Möglich­keit für eine ordent­liche Schul­aus­bil­dung und trotzdem managen sie jetzt selbst­ver­ant­wort­lich eine ganze Radio­sta­tion. Das bedeutet auch, dass die Leute am Anfang Fehler machen müssen. Wir erwarten also am Beginn keines­wegs eine perfekte Arbeit. Wir können aber dafür mit sehr flachen Hier­ar­chien arbeiten und, was ganz wichtig ist, die Leute entwi­ckeln im Laufe der Zeit ein hohes Maß an Krea­ti­vität und Eigen­ver­ant­wor­tung.

Betreut ihr nur Projekte im kurdi­schen Nord­irak oder seit ihr auch in anderen Regionen tätig?

Wir unter­stützen ein Commu­nity-Radio für Frauen und Jugend­liche in Jorda­nien und beraten nicht­staat­liche syri­sche Orga­ni­sa­tionen. Außerdem haben wir früher Projekte in Israel, vor allem in der arabisch-israe­li­schen Commu­nity, unter­stützt. Und natür­lich sind wir auch in Deutsch­land aktiv: zum einen in der Flücht­lings­ar­beit und zum anderen bei der Unter­stüt­zung der demo­kra­ti­scher Oppo­si­tion aus dem Nahen Osten, vor allem aus Syrien und dem Iran.

Im letzten Jahr star­tete »wadi« im kurdi­schen Nord­irak eine Kampagne gegen FGM, also der Geni­tal­ver­stüm­me­lung bei Mädchen und Frauen, und das mit großem Erfolg. Wie ist der Stand der Dinge?

Erstaun­lich gut. Die Frau­en­frage ist momentan das zentrale Thema im kurdi­schen Parla­ment – nicht zuletzt wegen unserer Kampagne. Es wurde sehr kontro­vers über eine Verän­de­rung des Zivil­straf­rechts disku­tiert, mit dem Ergebnis, dass nun ein Gesetz im Regio­nal­par­la­ment verab­schiedet werden soll, das weib­liche Geni­tal­ver­stüm­me­lung unter Strafe stellen wird. Gerade in den letzten Wochen wurde von Parla­ments­ab­ge­ord­neten, aber auch von Vertre­tern der Regie­rung, Geni­tal­ver­stüm­me­lung bei Mädchen und Frauen in den Medien stark thema­ti­siert. So ist in den verschie­denen kurdi­schen Fern­seh­sta­tionen sehr viel da­rüber berichtet worden. Wir sind sehr opti­mis­tisch, dass das Gesetz kommt und damit zum ersten Mal eine Regie­rung in dieser Region, östlich des Suez-Kanals, die Exis­tenz dieses Problems aner­kannt hat.

Hilfs­pro­jekte kosten Geld. Wie werden eure einzelnen Projekte finan­ziert?

Wir werden fast ausschließ­lich von nicht­staat­li­chen Orga­ni­sa­tionen und Stif­tungen aus aller Welt unter­stützt. Wir haben Geld­geber in den USA, in der Schweiz, in Öster­reich und in Frank­reich. Aber relativ wenig Unter­stüt­zung aus Deutsch­land. Das mag daran liegen, dass für viele in Deutsch­land unsere Arbeits­weise im Irak unge­wohnt ist. Aber auch daran, dass staat­liche Stellen in Deutsch­land kein großes Inter­esse daran haben, in dieser Region aktiv zu werden und uns gegen­über auch sehr reser­viert sind. Und zwar deshalb, weil wir immer, auch 2003, auf der Seite der demo­kra­ti­schen iraki­schen Oppo­si­tion und der iraki­schen Kurden standen. Für uns war der Sturz Saddam Husseins Prio­rität.

Welche Projekte benö­tigen am drin­gensten finan­zi­elle Unter­stüt­zung?

Aktuell benö­tigt unsere Kampagne gegen Geni­tal­ver­stüm­me­lung drin­gend finan­zi­elle Unter­stüt­zung. Und dann gibt es noch Projekte, die quasi in der Schub­lade liegen, aber nicht gestartet werden können, weil wir keine Finan­zie­rung dafür haben. Seitdem unsere Radio­sta­tion in Halab­dscha läuft, kommen beispiels­weise immer wieder Leute auf uns zu, die ein ähnli­ches Projekt mit uns reali­sieren möchten. So haben wir seit fast zwei Jahren ein Radio­pro­jekt in Planung, das ein drei­spra­chiges Programm in kurdisch, arabisch und turk­me­nisch senden soll…

…aber trotz kleinem Budget arbeitet ihr sehr erfolg­reich?

Ja, wir sind in der Region momentan die Hilfs­or­ga­ni­sa­tionen mit den meisten Projekten. Aber wir sind dazu gezwungen, jeden Dollar mehr­mals umzu­drehen und sind auf jede noch so kleine Spende ange­wiesen.

Du bist jetzt seit 17 Jahren im Irak tätig und mitt­ler­weile ja auch ein gefragter Experte zum Thema Irak und Naher Osten. Wenn Du einen Ausblick wagen würdest: Wo steht dieses Land am Ende der nächsten 17 Jahre?

Das Land kann sich in eine posi­tive Rich­tung entwi­ckeln, die Anzei­chen sind da. Aber hierzu braucht es eine breite soli­da­ri­sche Unter­stüt­zung. Leider fehlt aber diese Unter­stützung aus Europa fast gänz­lich. Die Probleme in diesem Land, und im gesamten Nahen Osten, sind nunmal derart tief­ge­hend, dass man mit sehr großen Zeit­fens­tern kalku­lieren muss, wenn man ernst­hafte Verän­de­rungen in Gang bringen will. Unsere 17-jährige Arbeit hat uns gezeigt, wie lange es nach einer Diktatur dauern kann, bis die Menschen eigen­ver­ant­wort­lich tätig sind. Bis gesellschaft­liche Probleme wirk­lich auf den Tisch kommen, Ökonomie verän­dert wird, usw. Eine soli­da­ri­sche Unter­stüt­zung von außen, gerade auch aus Europa, ist entschei­dend, um diesem Land eine Perspek­tive zu geben. Eine Perspek­tive, die sich auch auf Länder wie Iran oder Syrien auswirken muss. Ansonsten kann kann es ebenso ins Gegen­teil umschlagen. Wenn Isla­misten und die Dikta­turen im Nahen Osten weiter gestärkt werden, kann dem Irak eine Art „Soma­li­sie­rung“ drohen. Das wäre der „worst-case“ – mit kata­stro­phalen Auswir­kungen welt­weit.

Seit der Grün­dung im Jahr 1991 unter­stütze ich nun die deut­sche Hilfs­or­ga­ni­sa­tion »wadi«. Eine Spende meiner dama­ligen Agentur ermög­lichte beispiels­weise, eine Unter­schriften-Kampagne gegen weib­liche Geni­tal­ver­stüm­me­lung (FGM) im Nord­irak zu starten. Diese Kampagne war derart erfolg­reich, dass dem dortigen Regio­nal­par­la­ment mitt­ler­weile eine Geset­zes­vor­lage zur Abstim­mung vorliegt, die FGM endgültig verbieten wird. Gründe genug also, die Arbeit von »wadi« vor Ort anzu­schauen.

Orien­ta­li­sche Gelas­sen­heit bei Reisen in den Nahen Osten ist hin und wieder ange­bracht: War es im letzten Jahr die massive Präsenz türki­scher Truppen an der türkisch-iraki­schen Grenze, die eine Einreise über Land in den kurdi­schen Nord­irak verei­telten – und mir so ein paar Tage Zwangs­ur­laub in Istanbul bescherten – so war es diesmal eine kasa­chi­sche Flug­linie, die meinen Besuch bei »wadi« verzö­gerte. Mit Thomas von der Osten-Sacken, einem der Gründer von »wadi«, hatte ich ein paar Urlaubs­tage in der Südtürkei verbracht. Nun landen wir zwei Tage später als gebucht, von Istanbul kommend, in Sulai­ma­niyya – im Nord­osten des Iraks gelegen, nahe der irani­schen Grenze, und mit rund 700.000 Einwohner die fünft­größte Stadt im Irak.

Falah Muradkhin, der Projekt-Koor­di­nator von »wadi« für den Irak, erwartet uns. Seine Lebens­ge­schichte ist voller Tragik und Hoff­nung zugleich und fast sinn­bild­lich für die Geschichte dieses Landes: Mit vier­zehn über­lebte er nur mit Glück Saddams Giftgas-Angriff auf die nord­ira­ki­sche Stadt Halab­dscha im Jahr 1988. Er rang mona­te­lang in den Bergen ums Über­leben, schlug sich danach als Ziga­ret­ten­schmuggler durch, studierte Jura und leitet heute das Büro von »wadi« in Sulai­ma­niyya. Von hier aus werden die zahl­rei­chen Projekte der deut­schen Hilfs­organisation koor­di­niert. Und hier werde ich während meines einwö­chigen Aufent­haltes unter­ge­bracht sein.

Unsere erste Tour führt durch zahl­reiche Check­points hinauf in das Berg­dorf Tawela. Ein paar Schritte noch und man befände sich bereits auf irani­schem Boden. Wir stoßen auf das »Spiel­mobil« von »wadi«. Seit Früh­jahr dieses Jahres fährt der kunter­bunt bemalte Bus durch die Dörfer der Hauraman-Region. Ein Gebiet, das am stärksten von Gift­gas­an­griffen und Zerstö­rungen im Rahmen von Saddams soge­nannter »Anfal-Opera­tion« betroffen war. Zwei Frauen und ein Mann bringen mit dem Bus, bestückt mit Spiel­sa­chen, etwas Abwechs­lung und Freude zu Kindern, für die der Begriff »Spiel­platz« ein Fremd­wort ist. Verwun­dert blicke ich auf glück­liche Kinder, die vor einfa­chen Plastik-Rutschen und ein paar Lego-Steinen Schlange stehen.

Bis 2003 wütete in dieser land­schaft­lich wunder­schönen Berg­re­gion die »Ansar al-Islam« – eine, den Taliban ähn­liche, isla­mis­ti­sche Terror­gruppe, die Frauen den Schul­besuch verbot und sie unter den Schleier zwang. Nach der Befreiung der Region durch kurdi­sche und US-ameri­ka­ni­sche Truppen konnte »wadi« auch hier eines seiner Frau­en­zen­tren einrichten.

Im Dorf Biara erhalten Frauen aus der Umge­bung nun Lese-, Sprach- und Compu­ter­kurse. Auch können sie an Schmink- und Friseur-Work­shops teil­nehmen. Das schafft Frei­räume und ermög­licht es ihnen, sogar etwas zum Fa­milieneinkommen beizu­tragen – in einer von Stammes-Tradi­tion, Analpha­be­tismus und Islam geprägten Dorf­gesellschaft eine großer Schritt nach vorn.

Dieses Land ist unwahr­schein­lich reich an Erdöl und gehört zu den frucht­barsten Gebieten in der gesamten Region“ sagt Thomas „aber ein Groß­teil der Nahrungs­mittel muss impor­tiert werden und für einfachste Kinder­spiel­plätze ist kein Geld da.“ Man mag es kaum glauben. Später wird ihm der Direktor einer Dorf­schule erzählen, dass dieser die Basket­ball­körbe, die er gerade im Schulhof aufstellen lässt, aus eigener Tasche bezahlt hat. Man müsse schließ­lich den irani­schen Grenz­posten, die von den Bergen auf seinen Schulhof runter blicken können, demons­trieren, dass »regime change« Fort­schritt bedeutet.

Wir verlassen die Berge in südöst­liche Rich­tung. Wieder geht es durch zahl­reiche Check­points – wir sind noch in der so genannten »zone red«, einen Sektor, in den beispiels­weise die UN ihren Mitar­bei­tern den Zutritt verbietet – und kommen nach Halab­dscha. Eine Stadt mit mitt­ler­weile wieder an die 50.000 Einwoh­nern. Schlag­zeilen machte die Stadt, als Saddam Hussein sie im März 1988 zwei Tage lang mit Giftgas bombar­dieren ließ. Bis zu 5.000 Menschen fanden sofort einen qual­vollen Tod, weitere Tausend starben an den Spät­folgen des Angriffes.

Auch in Halab­dscha gibt es ein von »wadi« unter­stütztes Frau­en­zen­trum. Seit 2007 befindet sich darin unter anderem das erste Frauen-Café im kurdi­schen Nord­irak. Was bei uns in Europa nur müdes Achsel­zu­cken hervor­ruft, ist hier eine abso­lute Beson­der­heit. Teestuben und Cafés gibt es zwar zuhauf im nahen Osten – jedoch ausschließ­lich für Männer. Frauen bleibt dieser wich­tige Ort der Kommu­ni­ka­tion verschlossen. In Halab­dscha ist nun immerhin ein Anfang gemacht, damit sich das ändern kann.

Einen Anfang machen – hier setzt auch das heute sehr erfolg­reiche Radio »Dange Nwe« (zu deutsch: »Neue Stimme«) an. Es ist der erste unab­hän­gige Radio­sender im Nord­irak. Seit 2005 sendet die von »wadi» initi­ierte und mitt­ler­weile selbst­ver­wal­tete Radio­sta­dion aus Halab­dscha täglich ein breit­ge­fä­chertes Programm für Frauen und Jugend­liche. Man muss wissen, dass Jugend­liche mit 60 % den größten Bevöl­ke­rungs­an­teil im Irak stellen. In anderen Ländern des Nahen Osten ist es nicht viel anders. Ein enormer demo­gra­phi­scher Druck, in einer Region, in der der Lebens­abschnitt »Jugend­li­cher« als Begriff nicht exis­tiert.

Zurück geht es im schönsten Abendrot nach Sulai­ma­niyya. Getankt wird unter­wegs auf die iraki­sche Art: Zwar gibt es in den Zentren mitt­ler­weile auch Tank­stellen, doch prägen Bret­ter­buden mit davor aufge­türmten, benzin­ge­füllten Plas­tik­ka­nis­tern das Bild der Straße. Fehlt der frische Wind aus den Bergen, legt sich über die Stadt eine Abgas­glocke, die einem Frank­furter Frisch­luft gewohnten Touristen das Atmen erschwert. Nicht auszu­denken, wenn die hier üb­lichen 45° C im Sommer dazu kommen.

Sulai­ma­niyya erweist sich unüber­sehbar als eine Boom-Town. Wie Pilze schießen vieler­orts neue Wohn­sied­lungen und mehr­stö­ckige Alumi­nuim-Glas-Paläste aus dem Boden. Ein neuer Univer­si­täts­kom­plex entsteht am Stadt­rand, der Rohbau eines gigan­ti­schen Kran­ken­hauses wartet auf Voll­endung und der Verkehrs­we­gebau treibt orien­ta­lisch sonder­bare Kapriolen. Die Innen­stadt mit ihren belebten und verwin­kelten Markt­gassen wird »saniert«: Alter Bestand wird abge­rissen und hier und dort fressen sich riesige Baugruben in den Boden.

Wer in den Straßen der Stadt schwer­be­waff­nete US-Patrol­­lien erwartet, wird schwer enttäuscht. In Sulai­ma­niyya und im gesamten Nord­irak sind keine US-Truppen mehr statio­niert. Zwar prägen vor wich­tigen Gebäuden immer noch schwere Beton-Sperren und bewaff­nete Wächter das Bild der Stadt, ansonsten herrscht jedoch weitest­ge­hend Norma­lität. Nach Jahren der brutalen Unter­drü­ckung durch das Regime von Saddam Hussein und seiner Baath-Partei sowie dem isla­mis­ti­schen Terror der »Ansar al-Islam« zeigt sich der kurdi­sche Nord­irak mitt­ler­weile poli­tisch stabil.

Eine fast schon bewun­derns­werte Stabi­lität. Muss man sich doch immer wieder verge­gen­wär­tigen, dass Saddams Schergen hier in den acht­ziger Jahren an die 4.000 Dörfer und zehn Städte dem Erdboden gleich­machten. Geschätzte 180.000 Menschen ließ das Regime verschwinden, deren Leichen nun in zahl­rei­chen Massen­grä­bern wieder auftau­chen. Als sich die Kurden 1991 von Saddam befreien konnten, lag die eins­tige Korn­kammer des Irak voll­kommen danieder. Dörfer mussten wieder aufge­baut und hundert­tau­senden von Menschen, die quasi Flücht­linge im eigenen Land waren, eine Zukunft gegeben werden. Zu allem Über­fluß entbrannte 1994 zwischen den beiden großen kurdi­schen Parteien PUK und KDP ein erbit­terter Krieg um die Einnahmen aus dem Grenz­handel. Der Konflikt fand erst 1998 in einem insta­bilen Waffen­still­stand sein Ende.

Und weitere Probleme kommen hinzu. Nicht nur die Diktatur Saddams und der isla­mis­ti­sche Terror haben Narben hinter­lassen. Auch tief­ver­wur­zelte Stammes-Tradi­tionen, Korrup­tion, der Nepo­tismus der Parteien, deren Unfä­hig­keit trag­fä­hige ökono­mi­sche Struk­turen zu schaffen sowie eine Reli­gion, die sich wie Firnis über die Gesell­schaft legt, machen es schwierig und äußerst mühsam, notwen­dige Verän­de­rungen in Gang zu bringen.

Beim Abend­essen wird mir klar: Trotz aller Widrig­keiten haben die Menschen hier etwas, was Grundvoraus­setzung für notwen­dige Verän­de­rungen ist – Frei­heit und Demo­kratie. So zerbrech­lich und unvoll­kommen sie auch sein mögen. In keinem anderen Land im Nahen Osten, Israel ausge­nommen, könnten wir in einem Restau­rant sitzen und laut­hals Witze über die herr­schenden Parteien und die Reli­gion machen, ohne Angst vor staat­li­cher Willkür haben zu müssen.

Später geht es dann noch ins Bowling­center von Sulai­maniyya. Nach der übli­chen Leibes­vi­si­ta­tion – isla­mis­ti­sche Suicide-Bomber verstehen nunmal keinen Spass – haben wir in mehreren Etagen Spiel­au­to­maten, Bowling, Billard oder Tisch­fuß­ball zur Auswahl. Wir entscheiden uns für Tisch­fuß­ball, ich verliere und verschütte auch noch mein teures korea­ni­sches Bier. Aber wir sehen Frauen ohne Kopf­tü­cher und Männer, die gemeinsam einfach nur Freude am Bowling haben. Auch ein Zeichen der Hoff­nung für den Irak, denke ich. Und »wadi«, mitt­ler­weile fast die einzige deut­sche Hilfs­or­ga­ni­sa­tion, die diesem Land nicht den Rücken gekehrt hat, ist es auch.